Die LEADER-Region Westlausitz, die aus 12 Städten und Gemeinden besteht, hatte bereits in ihrem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) aus dem Jahr 2007 die Entwicklung zur „Energieautarken Region Westlausitz“ als eines der Leitprojekte festgelegt. Mit dem Projekt verfolgte die Region das Ziel, rein rechnerisch genauso viel Energie regional zu erzeugen wie übers Jahr von der Region verbraucht wird (vorrangig in den Bereichen Wärme und Strom). Mit der Umsetzung des Leitprojektes sollte der Region zudem ein Image verliehen werden, mit dem sich die Einwohner identifizieren konnten und welches durch diese mit getragen wird.

Im Rahmen dieses Leitprojektes wurden in der Westlausitz zwei sächsische Pilotprojekte umgesetzt. 

Auch in der aktuellen LEADER-Entwicklungsstrategie für die Region spielt der Bereich der intelligenten und nachhaltigen Nutzung von Energie eine wichtige Rolle. So wird das kommunale Energiemanagement in den Städten und Gemeinden auch nach Projektende fortgesetzt.

Auf unserer Energie-Homepage informieren wir über den Prozess und Erfahrungen aus dem Projekt.

Energie-News

Polen sieht für Kohle keine Zukunft


Nicole Weinhold

„Polen ist in der Energieversorgung stark verbunden mit Kohle“, sagt Joanna Maćkowiak-Pandera vom polnischen Think Tank Forum Energii. Sie war zu Gast bei Agora Energiewende in Berlin, um über die energiepolitische Situation in Polen zu sprechen. 70 Prozent Kohleanteil an der installierten Leistung seien es Ende 2019 gewesen, so Maćkowiak-Pandera in einer Pressekonferenz vor deutschen Journalisten. „Über viele Jahre hat sich da kaum etwas getan.“ Von 2010 an habe im Wesentlichen nur die Onshore-Windenergie zugelegt, was immerhin zu 5,9 Gigawatt bis Ende 2019 geführt hat. Allerdings gebe es auch in Polen eine wachsende Gegnerschaft gegen Onshore-Windenergie.

Polen lieben Solarenergie

Was aber ebenfalls ins Auge fällt, wenn man die Entwicklung der Erneuerbaren anschaut: Seit etwa zwei Jahren wächst die Photovoltaik dort rapide. „Die Polen haben sich in die Solarenergie verliebt“, fasst es die Referentin zusammen. Sie erwartet, dass ihr Land Ende 2020 auf drei GW Solarleistung kommt. Und noch etwas hat sich geändert: Die Erneuerbaren würden jetzt als etwas angesehen, das das Energieversorgungssystem stützt. Das liege am Hitzesommer 2015, als die Wasserkraft nicht mehr umfänglich verfügbar war und das System instabil wurde. Solar soll das nun mit ausgleichen.

Anteil erneuerbarer Energien 15,4 Prozent

Entsprechend ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion von 12,7 im Vorjahr auf 15,4 Prozent 2019 gestiegen, während die Kohle von 78,2 auf 73,6 Prozent zurückgedrängt wurde. Gerade wurde von der Regierung ein GW an Onshore-Wind ausgeschrieben. Es werde also auch mit Wind weitergehen.

ETS ist treibende Kraft für Dekarbonisierung

Die neue Beliebtheit der Erneuerbaren hat noch einen weiteren Grund. „Der Europäische Emissionshandel ETS ist die treibende Kraft für die Dekarbonisierung in Polen“, erklärt Maćkowiak-Pandera. Tatsächlich habe Polen ein großes Problem mit seiner Luftqualität – vor allem im Winter. Sowohl District Heating als auch 50 Prozent aller Haushalte werden mit Kohle und Ähnlichem beheizt. „Man kann an manchen Tagen in den Städten nicht atmen“, betont Maćkowiak-Pandera (Foto Warschau oben). Bis 2030 will die Regierung daher die Kohle zum Heizen aus den Haushalten verbannen. Aber gleichzeitig müsste auch bei District Heating und in den Kraftwerken etwas passieren.

In den vergangenen 30 Jahren sei zu wenig passiert, so die Energieexpertin. Zwischen 1988 und 2018 seien in der Stromversorgung nur sieben Prozent CO2 eingespart worden. In der Wärme waren es 21 Prozent. Ziel sei es, bis 2030 50 Prozent weniger Emissionen auszustoßen. Eine Studie zusammen mit Agora Energiewende zeige, dass das machbar sei. Allerdings setzt die Regierung auch auf Atomkraft. Sechs Kernkraftwerke mit einer Erzeugungskapazität von zusammen sieben bis fast elf Gigawatt (GW) sollen bis 2040 in Polen entstehen und den Betrieb aufnehmen.

Anfang Oktober hat die polnische Regierung die entsprechenden Schritte eingeleitet.

Minen seien längst unwirtschaftlich

Noch hängen viele Jobs an der Kohleindustrie in Polen. Doch viele Minen seien längst unwirtschaftlich und könnten nur durch Subventionen überleben. „Aber der Staat wird sie nicht ewig fördern“, stellt Maćkowiak-Pandera klar. In den nächsten drei Jahren soll mindestens ein Fünftel der Kohleproduktion stillgelegt werden. Doch die Gewerkschaften seien sehr mächtig, und man sei aufgrund von Minenschließungen in der Vergangenheit alarmiert. Damals seien die Kohlekumpel nach Hause geschickt worden und niemand kümmerte sich um sie. Ein Kohleausstieg müsse also im Sinne der Gewerkschaften geplant werden. Einen Ausstieg wie in Deutschland könnten sich auch die polnischen Kohlevertreter vorstellen – sehr langfristig und mit großzügiger Abfindung.

Wollen Sie neue Erkenntnisse zur Energiewende in Europa im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.

DLR präsentiert Brennstoffzellen-Auto mit Batterie


Leicht, sicher, emissionsfrei - so beschreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen sportlich wirkenden neuentwickelten Zweisitzer, der dazu beitragen soll, die Emissionen des Straßenverkehrs zu mindern. Die Karosserie des „Safe Light Regional Vehicle“ (SLRV) wiege wegen ihrer Sandwichbauweise bei 3,8 Metern Länge nur 90 Kilo und sei trotzdem besonders sicher, so das DLR.

Leicht und sicher durch Sandwichbauweise

Möglich macht das die sogenannte metallische Sandwichbauweise: Das eingesetzte Material besteht aus einer metallenen Decklage und einem Kunststoffschaum im Inneren. Der Vorder- und Hinterwagen des SLRV sind aus Sandwichplatten zusammengesetzt und dienen als Crashzonen. Dort ist auch ein Großteil der Fahrzeugtechnik untergebracht. Die Fahrgastzelle besteht aus einer Wanne mit einer aufgesetzten Ringstruktur. Diese nimmt die Kräfte auf, die während der Fahrt auf das Auto wirken und schützt die Insassen bei einem Crash.

Antrieb kombiniert Brennstoffzelle und Batterie

Um möglichst ressourcenschonend unterwegs zu sein, verfügt das SLRV neben der sehr leichten Karosserie über einen hocheffizienten Hybridantrieb. Für den Antriebsstrang haben die DLR-Wissenschaftler eine kleine Brennstoffzelle mit 8,5 Kilowatt Dauerleistung mit einer Batterie verbunden. Diese liefert zum Beschleunigen zusätzliche 25 Kilowatt Leistung. Diese Kombination wiegt weniger als herkömmliche Batteriesysteme, sorgt für eine Reichweite von rund 400 Kilometern und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde. Mit an Bord zwischen den beiden Sitzen ist ein 39 Liter fassender Drucktank, der 1,6 Kilogramm Wasserstoff bei 700 Bar speichern kann. Die Abwärme der Brennstoffzelle nutzt das SLRV zum Heizen des Innenraums. Zusätzlich wirkt sich die gute Wärmeisolierung der Sandwich-Karosserie im Winter positiv auf den Energieverbrauch der Klimaanlage des Fahrzeugs aus.

Einsatzmöglichkeiten: Pendlerauto, Zubringer oder Car-Sharing

Das DLR sieht künftige Einsatzmöglichkeiten für den futuristischen, insgesamt 450 Kilogramm schweren Zweisitzer in erster Linie als Pendlerauto, als Zubringer im öffentlichen Nahverkehr oder als Car-Sharing-Fahrzeug – vor allem in urbanen Randgebieten oder im außerstädtischen Bereich.

Kosten würde ein solches Auto derzeit rund 15.000 Euro, so das das SLRV-Team. Bei einer Laufleistung von 300.000 Kilometern ergibt sich so bei einer Nutzungsdauer von zehn Jahren ein Preis von circa 10 Cent pro Kilometer.

Unser Tipp: Wenn Sie die Entwicklung der modernen Mobilität im Blick behalten wollen, abonnieren Sie einfach unseren kostenlosen Newsletter. Hier geht‘s zur Anmeldung.

Riesige Stromtankstelle am Autobahnkreuz Hilden in Betrieb genommen


Am Autobahnkreuz Hilden ist die nach Angaben des Betreibers bisher größte Ladestation Europas in Betrieb gegangen. Denn der erste Bauabschnitt des Ladeparks Seed & Greet wurde fertiggestellt. In Zukunft können hier 44 Elektroautos gleichzeitig vor Ort produzierten Ökostrom tanken. Denn die Anlage besteht nicht nur aus Ladesäulen mit verschiedenen Ladeleistungen. Vielmehr sind auch die gesamten Carports, mit denen die Ladeplätze überdacht sind, mit Solarmodulen eingedeckt. Diese erreichen derzeit eine Gesamtleistung von 336 Kilowatt. Zusätzlich liefern noch zwei kleine Windräder Strom für die Elektroautos.

Schnell laden möglich

Nur wenn die Strommenge aus den beiden Kraftwerken nicht ausreicht, laden die Elektromobilisten mit Ökostrom aus dem Netz. Die üppige Ladeleistung, die vor Ort angefordert werden kann, liefern wiederum zwei große Speichercontainer von Tesvolt. Denn immerhin können die Elektroautofahrer an 28 Schellladeplätzen von Fastnet und Tesla ihre Akkus mit einer Leistung von bis zu 250 Kilowatt innerhalb weniger Minuten wieder füllen. Darunter befinden sich auch zwölf der neusten Generation der Supercharger von Tesla. Da bleibt nicht viel Zeit, um das 150 Quadratmeter große Café und Bistro mit Biobackstube zu besuchen.

16 normale Ladesäulen aufgebaut

Mehr Zeit können sich die Fahrer lassen, die an den vier Ladeplätze tanken, die den Strom mit einer Leistung von 22 Kilowatt in die Akkus der Autos schieben. Für die Mitarbeiter und Mieter des Gebäudekomplexes, der gerade zusätzlich zum Ladepark entsteht, stellt der Betreiber des Ladeparks zudem noch zwölf Ladeplätze mit einer Leistung von sieben Kilowatt zur Verfügung. Schließlich können sie über den gesamten Tag hinweg ihre Autos an der Ladesäule langsam auftanken.

Komplett mit Ökostrom laden

Der Strom kommt nicht direkt aus den Erzeugungsanlagen, sondern aus den Speichercontainern. Sie lagern einerseits den Strom aus den Solar- und Windkraftanlagen zwischen, um die Lastspitzen zu kappen, die durch das Laden der Fahrzeuge entstehen. Sie speichern aber auch grünen Strom aus dem Netz, wenn er besonders günstig ist und entlasten das Stromnetz, wenn mehr Strom im Netz ist als abgenommen wird. Auf diese Weise amortisieren sich die Speicher innerhalb weniger Jahre, wie Gregor Hinz, Energieberater und technischer Generalplaner des Projektes, betont.

Technischen Anforderungen erfüllt

Die Wahl fiel auf die Tesvolt-Speicher, weil sie jederzeit und schnell be- und entladen werden könne und die notwendigen technischen Anforderungen erfülle, erklärt Hinz. „Das ist für einen Ladepark technisch besonders wichtig“, sagt er. „In Kombination mit unserem Stundeneinkauf von Energie am deutschen Spotmarkt ist das die perfekte Symbiose für ein optimales Management der eigenerzeugten Energie.“

Ausgeklügeltes Energiekonzept

Für das optimale Be- und Entladen der Zellen sorgt dabei eine intelligente Batteriesteuerung. „Seed & Greet ist nicht nur der derzeit größte, sondern auch der innovativste Ladepark“, betont Simon Schandert, technischer Geschäftsführer von Tesvolt. „Ein ausgeklügeltes Energiekonzept mit Wärmerückgewinnung, Regenwasser- und Brauchwasser-Zweitnutzung, die Biobackstube und die Holzrahmenbauweise des Parks, das geplante Vertical Farming – das alles macht Seed & Greet zu einem Leuchtturmprojekt.“

Anlage wird erweitert

Der weitere Ausbau des Ladeparks ist schon geplant. In den nächsten Monaten bis Ende dieses Jahres werden weitere solare Carports errichtet, unter denen weitere Ladesäulen Platz finden. Am Ende umfasst die gesamte Anlage auf 12.000 Quadratmetern Fläche eine Photovoltaikleistung von mehr als 700 Kilowatt die die insgesamt 114 Ladeplätze mit Strom versorgen. Bis Ende 2022 soll auch der fünfstöckige Bürogebäudekomplex fertig sein, der neben dem Seed & Greet Café entsteht. Er wird verschiedenen Büromietern Platz bieten wird. Zwischen den beiden Gebäuderiegeln wird sich dann das vertikale Gewächshaus befinden. Auf 1.000 Quadratmetern über vier Stockwerke verteilt werden dann Salat, Erdbeeren und Blaubeeren gezüchtet.

Politik behindert Innovationen

Diese werden direkt in der Biobackstube der Bäckerei Schüren verarbeitet. Biobäckermeister Roland Schüren hat das gesamte Projekt initiiert und ist Betreiber des Ladeparks. Er macht sich derzeit weniger Sorgen darum, dass das Projekt nicht wirtschaftlich ist, sondern dass die Politik behindert. „Mehrere Leute haben mich angesprochen, sie würden gern ein ähnliches Projekt ins Leben rufen“, sagt Roland Schüren. „Sollte die EEG-Novelle die Eigenstromnutzung weiter begrenzen, würden Nachahmer aber buchstäblich ausgebremst“, kritisiert er die aktuellen Regelungen und politischen Debatten. „Deutschland und Europa brauchen nicht nur mehr Elektromobilität, sondern vor allem mehr Elektromobilität mit Strom aus erneuerbaren Energien“, bringt er es auf den Punkt.

Wollen Sie die Entwickling der Ladeinfrastuktur für Elektroautos im Blick behalten. Dann abonnieren Sie einfach unseren kostenlosen Newsletter.! Hier können Sie sich anmelden.

Quartal 3: Ausbau der Windkraft an Land kommt kaum wieder in Gang


Tilman Weber

Mit einer neuen Onshore-Erzeugungskapazität von zusammengenommen 287 Megawatt (MW) installierten die Windparkerrichtungsteams in Deutschland von Juli bis September immer noch um knapp ein Viertel weniger als im ersten Quartal dieses Jahres. Im Vergleich zum Zeitraum April bis Juni, als nur rund 220 MW und damit weniger als im Schnitt des Minusrekordjahres 2019 neu ans Netz gegangenen waren, gewann der Zubau an Land um nicht viel mehr als 25 Prozent hinzu. Dies geht aus einer Auswertung des Informationsdienstleisters Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) hervor.

Um den aktuellen Trend zu ermitteln, hat das IWR die Meldedaten aus dem offiziellen Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur (BNA) gemäß dem Anmeldestand vom 5. Oktober ausgewertet. Insgesamt, so kalkulieren die Marktbeobachter vom IWR, haben demnach von Januar bis September bundesweit an Land 274 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtkapazität von 885,2 MW neu den Betrieb aufgenommen. So fehlen noch knapp 200 MW bis zur Negativ-Messlatte, die das Vorjahr als bisher schlechtestes Zubaujahr der vergangenen zwei Jahrzehnte hinterlassen hat. 2019 hatte der Bruttozuwachs der ans Netz angeschlossenen Turbinennennleistung nur 1.078 MW betragen.

IWR zählt bisher 885 MW und erwartet 1.200 MW im Gesamtjahr 2020

IWR stuft das bisherige Ausbautempo des aktuellen Jahres als den eigenen Erwartungen gemäß ein. Das durchschnittliche Installationstempo von rund 100 MW pro Monat neu ans Stromnetz angeschlossener Onshore-Windkraft lasse weiterhin auf einen Ausbau im Gesamtjahr um 1.200 MW tippen. Dies wäre immer noch der zweitniedrigste Wert des bundesweiten Onshore-Ausbaus seit Einführung der Vergütungsförderung für Windparks und andere Erneuerbaren-Anlagen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Zugleich nahm die Ungleichheit der regionalen Verteilung des Onshore-Ausbaus weiter zu. Seitdem Windparkplaner ihre Projekte zuerst in einer Ausschreibung der BNetzA für eine bestimmte Vergütungshöhe im Wettbewerb zu anderen Onshore-Windkpark-Projekten anbieten müssen, verlieren süddeutsche Bundesländer kontinuierlich an Boden. Die seit 2017 stattfindenden Bieterrunden für die Onshore-Windpark-Projektierer hatten sofort den gegenläufigen Trend der Vorjahre umgekehrt. Im vergangenen Jahrzehnt hatte die Einführung von Windturbinen mit immer größeren Rotorblättern bei kaum erhöhten Nennleistungen die Windernte in windschwächeren küstenfernen Regionen attraktiver werden lassen und zu immer mehr Windparkerrichtungen auch in bergigen küstenfernen Lagen geführt. Inzwischen blockieren aber auch noch politisch erwirkte Einschränkungen gegen das privilegierte Baurecht für Windparks den Ausbau speziell in Süddeutschland.

Ausbau auf den Norden konzentriert wie lange nicht mehr

So konzentrieren sich erstmals seit langem wieder alle fünf Bundesländer mit dem größten Neubau-Volumen auf Norddeutschland: Bezogen auf den Ausbauzeitraum Januar bis September führen Brandenburg mit 133,1 MW, Niedersachsen mit 130,7 MW und Nordrhein-Westfalen mit 130,2 MW fast gleichauf. Mit deutlichem Abstand folgen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit 89,8 und 85,1 MW. Erst auf Rang sechs findet sich das süddeutsche Rheinland-Pfalz mit 81,3 MW, das 2014 schon einmal auf der vier, 2013 sogar auf der zwei und zuletzt 2019 immerhin auf der fünf vermerkt war.

Hoffnungslichter des Südens, Bayern und Bawü, wurden Schlusslichter

Alle anderen süddeutschen Bundesländer wie Saarland, Bayern und Baden-Württemberg oder Bundesländer mit überwiegend in der Südhälfte der Republik gelegenen Landmassen finden sich nun zunehmend abgeschlagen am hinteren Ende der Statistik. So kamen bis September im Saarland nur 9 MW, in Sachsen 10,1, in Bayern 27,5, in Thüringen 30,7 und in Baden-Württemberg nur 32,1 MW neu ans Netz. Davon hatten sowohl Baden-Württemberg in den Jahren 2016 und 2017, als auch Bayern 2014 und 2015 mit jeweils Platz fünf zwischenzeitlich sehr gut abgeschnitten.

Ausbau in Schleswig-Holstein zieht wieder an

Einzig Hessen (Rang 7), wo bis September Anlagen mit 67,9 MW neu die Stromerzeugung aufgenommen haben, übertrifft noch knapp das Schlusslicht des Nordens, Schleswig-Holstein. In dem Zwei-Küsten-Land gingen in den ersten drei Quartalen 57,7 MW ans Netz. 2018 war Hessen nach längerem Aufwärtstrend einmal viertbestes beim Windenergieausbau geworden. Allerdings ist Schleswig-Holstein ein Sonderfall: Dort endet gerade ein fünfjähriger Absturz, den die Landespolitik durch ein Ausbaumoratorium bewirkt hatte. Nur noch in begründeten Ausnahmefällen durften gemäß des Moratoriums neue Anlagen installiert werden, nachdem die Rechtsprechung des Landes die öffentlich ausgewiesenen Eignungsflächen für neue Windparks in der Region für ungültig erklärt hatte. Nun endet das Moratorium.

Dass sich der Trend weiter verfestigen wird, zeigt sich auch in einer jüngst von der Fachagentur Windenergie an Land veröffentlichten Statistik zu Windparkgenehmigungen dieses Jahres. Hier stehen alle sechs Bundesländer mit überwiegend in der Nordhälfte gelegenen Landmassen inklusive Schleswig-Holsteins mit den genehmigten Projektierungskapazitäten deutlich vor den zur Südhälfte zu zählenden Ländern.

Kopf-an-Kopf-Wettbewerb der Turbinenbauer

Im Wettbewerb der Turbinenbauer ringen 2020 zwei Unternehmen in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Führung. Windturbinenhersteller Vestas und Enercon haben bis Ende September fast dieselben Anteile am deutschen Onshore-Markt dieses Jahres erreicht: So haben die Projektierer Turbinen von Vestas mit einer Erzeugungskapazität von 292 MW und Turbinen von Enercon mit 286 MW an die Netze gebracht. Der Deutschlandmarktdritte Nordex schaffte mit 176 MW zwar noch lange nicht den Anschluss. Die Nordex-Gruppe erreichte aber erstmals einen Marktanteil von fast 20 Prozent. Auf Rang vier folgt wie zuletzt GE vor Vensys (86,2 und 42 MW).

Wollen Sie den Ausbau der Windkraft im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.

Vattenfall setzt auf Holztürme in der Onshore-Windkraft


Nicole Weinhold

Das Thema an sich ist keine enorme Überraschung mehr: Vattenfall will Holztürme für Windkraftanlagen bauen lassen. Immerhin hatte die Firma Timbertower bereits Ende 2012 eine Vensys Windturbine mit 2,5 Megawatt nahe Hannover mit einem Holzturm ausgestattet - und die Anlage weist bis heute keine Ermüdungserscheinungen auf.

Was ist nun der Antrieb für den Energiekonzern Vattenfall, die Idee wieder hervorzuholen? “Während ihres Lebenszyklus verursachen die bestehenden Windturbinen geringe Mengen an klimaschädlichen Emissionen”, sagt Daniel Gustafsson, der bei Vattenfall für die Entwicklung der Onshore-Windenergieerzeugung in Schweden zuständig ist. “Wir wollen diese Werte nun noch weiter senken. Wir haben erkannt, dass Holztürme ein Teil unserer Lösung zur Reduzierung unseres CO2-Fußabdrucks sein und somit unsere Arbeit ergänzen können, wie wir es beispielsweise bereits mit dem fossilfreien Stahl machen.“

Kohlendioxidemissionen der Herstellung deutlich reduzieren

Etwa ein Viertel der bei der Herstellung der Windenergieanlagen anfallenden Klimaauswirkungen sind laut Vattenfall dem Turm zuzuschreiben, der normalerweise aus Stahl und manchmal aus Beton gefertigt ist. Auch in der Zukunft wird Stahl in vielen Teilen von Windenergieanlagen eingesetzt werden, allerdings könnten Holztürme eine wichtige Ergänzung dazu werden. Durch Bau und Einsatz von Holztürmen lassen sich die Kohlendioxidemissionen der Herstellung deutlich reduzieren, während gleichzeitig das Kohlendioxid, das während des Wachstums des Baums von diesem absorbiert wurde, ebenfalls im Holzturm gespeichert bleibt. Darüber hinaus werde laut dem Energiekonzern zertifiziertes und nachhaltiges Holz verwendet, was unter anderem bedeutet, dass neue Bäume gepflanzt werden.

Senkung der Kosten

Die Firma Modvion und Vattenfall haben eine Absichtserklärung mit dem Ziel unterzeichnet, ein Geschäftsentwicklungsprojekt zur Bewertung der Gebäudetechnologie und der Kommerzialisierung durchzuführen, in dessen Rahmen Holztürme an Vattenfall geliefert werden sollen. Das schwedische Holztechnologie-Unternehmen Modvion entwickelt anspruchsvolle Designs aus laminiertem Holz, der „Kohlefaser der Natur“, für großmaßstäbliche Anwendungen. Holzkonstruktionen ermöglichen radikale Emissionsreduktionen, da emissionsintensive Materialien wie Stahl und Beton ersetzt werden können. Das Portfolio von Vattenfall verfügt über ein offenes Potenzial von 5.000 MW für Onshore-Projekte, die sich in verschiedenen Märkten in der Entwicklung oder im Bauprozess befinden. „Wir glauben, dass der Bau von Holztürmen große Vorteile bringt, nicht nur für das Klima, sondern auch für die Senkung der Kosten von neuen Anlagen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen“, sagt Daniel Gustafsson.

Vorteile von Holztürme

Holztürme haben eine modulare Konstruktion, die vor Ort zusammengebaut wird. Dies modulare Konzept in Verbindung mit dem geringeren Gewicht des Holzes ermöglicht den Bau von höheren Türmen, wobei normale Straßen für den Transport genutzt werden können. Im April hat Modvion in Björkö bei Göteborg den ersten hölzernen Turm, der 30 Meter hoch ist, errichtet. Erst 2022 wird allerdings der erste kommerziell nutzbare Turm gebaut werden.

Timbertower

Und Timbertower? Von der Firma ist nichts mehr zu hören, seit die beiden Gründer Georg Prass und Holger Giebel das Unternehmen 2015 verlassen haben. Neuer geschäftsführender Hauptgesellschafter wurde Edwin Kohl, der zusammen mit Jeroen Haberland das Geschäft leiten sollte. Sie sind auch Geschäftsführer der Impulsus Clean Technologies GmbH, einem Startup aus Saarbrücken, von dem aber auch nichts mehr zu hören ist. Eigentlich sollte es 2015 weitere Holzturmhybride mit Vensys geben. Dazu ist es aber offenbar nicht gekommen. Die Idee vom Holzturm muss gleichwohl nicht schlecht sein, zumal wenn sich ein großes Unternehmen der Sache annimmt.

Wollen Sie neue Erkenntnisse zur Windkraft im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.