Die LEADER-Region Westlausitz, die aus 12 Städten und Gemeinden besteht, hatte bereits in ihrem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) aus dem Jahr 2007 die Entwicklung zur „Energieautarken Region Westlausitz“ als eines der Leitprojekte festgelegt. Mit dem Projekt verfolgte die Region das Ziel, rein rechnerisch genauso viel Energie regional zu erzeugen wie übers Jahr von der Region verbraucht wird (vorrangig in den Bereichen Wärme und Strom). Mit der Umsetzung des Leitprojektes sollte der Region zudem ein Image verliehen werden, mit dem sich die Einwohner identifizieren konnten und welches durch diese mit getragen wird.

Im Rahmen dieses Leitprojektes wurden in der Westlausitz zwei sächsische Pilotprojekte umgesetzt. 

Auch in der aktuellen LEADER-Entwicklungsstrategie für die Region spielt der Bereich der intelligenten und nachhaltigen Nutzung von Energie eine wichtige Rolle. So wird das kommunale Energiemanagement in den Städten und Gemeinden auch nach Projektende fortgesetzt.

Auf unserer Energie-Homepage informieren wir über den Prozess und Erfahrungen aus dem Projekt.

Energie-News

Zu wenig Emotionen in der Windenergie?


Zwei geplante Windräder, ein toter Milan, ein aufgebrachter Nabu-Kreisvorsitzender und eine Menge Emotionen sind die Zutaten für einen erbitterten Streit um ein Windpark-Projekt.Warum ist das inzwischen ein häufig anzutreffendes Muster? Und wie könnte es besser gehen?

Vorab: Ein bekanntes Muster – aber wir brauchen es später noch

Auf dem Gebiet der niedersächsischen Kleinstadt Rinteln plant ein Hamburger Projektierer in den Weser-Auen einen Windpark aus zwei Windenergieanlagen – mit allen Zutaten, die heutzutage zu solch einem Projekt gehören: Eine Bürgerinitiative, eine Ortsgruppe des Nabu, die sich vehement gegen die Planung stellt, Klagen gegen den Genehmigungsbescheid, ein gescheitertes Mediationsverfahren, ein Verkauf der Projektrechte.

Anfangs geht es noch um den Schutz von See- und Fischadler in den Weser-Auen und den Erhalt des Landschaftsbildes. Doch spätestens mit dem Verkauf des Projekts nimmt die Auseinandersetzung eine andere Tonlage an. Dem Verkäufer wird einerseits vorgeworfen, er stehle sich aus der Verantwortung, andererseits wird spekuliert, „ob es sich bei dem vermeintlich neuen Investor nicht doch um den alten handeln könnte“. Das Misstrauen sitzt zu diesem Zeitpunkt bereits tief: Dass ein Projekt verkauft wird, gilt bereits als Zeichen für heimliche Kungelei, denn aus Sicht der Windkraftgegner übernimmt der Käufer „die Drecksarbeit“, sprich die Anlagen zu errichten, während der Verkäufer als künftiger Vermarkter des Stroms „versucht, die Hände in Unschuld zu waschen“.

Das Ziel des örtlichen Nabu ist zu diesem Zeitpunkt längst auf einer Maximal-Position angekommen: Der Windpark soll unter keinen Umständen gebaut werden! Daher ist auch jedes Argument recht, um es gegen die geplanten Windräder zubringen. Jüngstes Beispiel: Im Mai 2020 wird im benachbarten Landkreis ein toter Rotmilan gefunden. Aufgrund des Fundortes in der Nähe eines Windparks wird die Obduktion des Greifvogels angeordnet. Die Untersuchung des Vogels ergibt, dass er sich in einem mäßigen Ernährungszustand befindet, mehrere Knochenbrüche und einen Leberriss aufweist. Daraus wird abgeleitet, dass das Tier durch die Kollision mit einem Rotorblatt getötet wurde.

Dies nimmt der Nabu-Vertreter als weiteren Beleg dafür, dass die beiden geplanten Windenergieanlagen nicht gebaut werden dürfen. Interessant an der Argumentation ist allerdings, was gesagt wird – und was nicht! So verweist der Nabu auf eine große Dunkelziffer bei Todesfällen durch Windenergieanlagen („Bei weitem nicht jedes Tier wird gefunden und im Anschluss untersucht.“) und stellt die Sinnhaftigkeit des Windpark-Projektes generell infrage, da es sich bei den geplanten Anlagen nicht um ein „bedeutendes Projekt der Energiewende“ handle, zumal deren Ertrag „überschaubar sei“ (unter anderem, weil der Landkreis Abschaltzeiten zum Schutz von Greifvögeln in die beklagte Genehmigung geschrieben hat). Nicht gesagt wird, dass sich in der Nähe ebenfalls eine Hochspannungsleitung zum Atomkraftwerk Grohnde befindet sowie eine viel befahrene Bundesstraße.

Foto: Volker Buddensiek

Kurze Unterbrechung: Wer schreibt das denn da?

An dieser Stelle sei mir eine Bemerkung gestattet: Die Argumentation des Nabu kann man auch umdrehen, indem man fragt, ob denn ein im Monat Mai trotz ausreichendem Nahrungsangebot nur mäßig ernährter Greifvogel für die weitere Bestandszunahme der Art einen „überschaubaren Beitrag“ leisten kann?

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde den Roten Milan wunderschön und freue mich jeden Tag, wenn er auf Nahrungssuche dicht über das Dachfenster an meinem Schreibtisch fliegt. Und jeder tote Milan ist für mich ein toter Vogel zu viel! Insofern ist es gut und richtig, sich um den Schutz der Tiere zu kümmern. Aber dann bitte nicht selektiv, wenn man den Schutz als Argument gegen den Ausbau der Windenergie in Stellung bringen kann. Und nicht nur den Roten Milan schützen, sondern alle Vogelarten und ihre Lebensräume.

Natürlich weiß ein Nabu-Vorsitzender, dass die Vernichtung von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Überdüngung zu einem drastischen Rückgang des Nahrungsangebots für Greifvögel führt. Er weiß sicherlich auch, dass in Deutschland aufsummiert über alle Arten jedes Jahr etwa 185 Millionen Vögel ihr Leben lassen, weil sie gegen Glasfassaden fliegen oder bei der Suche nach Nahrung an Bahnstrecken, Autobahnen und anderen Straßen zu Tode kommen und dass jährlich weitere 60 Millionen Vögel Hauskatzen zum Opfer fallen, während an Windenergieanlagen etwa 100.000 Tiere getötet werden. Zu all diesen Todesursachen höre ich seitens des Verbandes allerdings – nichts!

Bevor ich zum Journalismus gekommen bin und angefangen habe, über erneuerbare Energien zu schreiben, habe ich Biologie studiert. Ich bin seit mehr als 20 Jahren Mitglied des Nabu. Jetzt überlege ich bei beinahe jeder neuen Pressemitteilung der Ortsgruppe des Nabu, ob es nicht höchste Zeit ist, aus dem Verband auszutreten – nicht weil ich Natur- und Umweltschutz inzwischen unnötig fände, sondern weil ich diesen engen Blick auf einzelne Individuen oder Standorte nicht nachvollziehen kann, wenn gleichzeitig der Klimawandel ganze Lebensräume und zahllose Arten in ihrer Existenz bedroht.

Auch wenn dieser Konflikt bei weitem kein Einzelfall ist, frage ich mich in letzter Zeit oft, was dort – fast vor meiner Haustür – schief gelaufen ist. Über Jahre hat der Nabu vor Ort wesentlich dazu beigetragen, aus ehemaligen Kiesabbauflächen an der Weser einen struktur- und artenreichen Lebensraum für Vögel und Amphibien zu schaffen. Die Krönung dieser Anstrengungen soll vermutlich die Ansiedlung von See- und Fischadler sein, als Spitze der Nahrungspyramide und sichtbares Zeichen für eine erfolgreiche Renaturierung. Kann es sein, dass Planungen, die diesen Erfolg gefährden könnten, nicht nur Motivation sind, die bedrohten Arten zu schützen, sondern auch persönlich genommen werden als Angriff auf die jahrelange Mühen und das Recht, jetzt auch deren Früchte einzufahren?

Foto: Volker Buddensiek

Wenn ein Konflikt eskaliert …

Wie sich solche Auseinandersetzungen entwickeln, hat der österreichischen Konfliktforscher Friedrich Glasl erforscht. Er ist seit 1993 Dozent für Konfliktmanagement an der Universität Salzburg und unterscheidet neun Eskalationsstufen eines Konfliktes, die über bestimmte Merkmale definiert und von denen jeweils drei in einer Konfliktebene zusammengefasst werden. Nach Glasls Konfliktmodell geht es nur in der ersten Ebene überwiegend um die Sache selbst. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch möglich, dass sich beide Konfliktparteien verständigen, im besten Fall sind noch Win-Win-Lösungen möglich. Brechen die Beteiligten dagegen das Gespräch ab, gleitet der Konflikt in die zweite Konfliktebene des „Win-Lose“. Hier geht es wesentlich stärker darum, sich durchzusetzen. Es wird mit Unterstellungen gearbeitet. Ziel ist es, die moralische Glaubwürdigkeit der Gegenseite zu beschädigen. In der dritten Ebene schließlich können die aufgerissenen Gräben nicht mehr überbrückt werden. Es gibt keine Bereitschaft mehr, eine Lösung zu finden, ja es wird sogar ein begrenzter eigener Schaden akzeptiert, wenn nur der Schaden des Gegners größer ist. Glasl nennt diese Ebene „Lose-Lose“.

Vieles von dem, was Glasl theoretisch analysiert hat, lässt sich auch in dem oben geschilderten Fall der Auseinandersetzung um die beiden Windkraftanlagen wiederfinden.

… und was dahinter stecken kann

Doch was treibt Menschen dazu, diesen Weg zu beschreiten? Einen interessanten Erklärungsansatz bietet Professor Gundula Hübner in ihrem sehr lesenswerten Beitrag im aktuellen „Jahrbuch für naturverträgliche Energiewende 2020“ des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende.

Ihr Ansatz basiert auf der Überlegung, dass Emotionen ebenso wie rationale Überlegungen jede Bewertung beeinflussen. Beides zusammen bestimmt, wie Ereignisse oder Situationen – also zum Beispiel auch die Planung eines Windparks – von jedem Einzelnen bewertet werden, etwa als positiver Beitrag zum Klimaschutz oder als Bedrohung der heimischen Vogelwelt.

Emotionen können zudem motivieren, bestimmte Ziele aktiv zu verfolgen. Und genau hier wird es spannend, denn Emotionen wirken sich nicht nur unterschiedlich darauf aus, wie sich jemand zur Planung eines Windparks stellt, sondern auch in welcher Intensität Zustimmung oder Ablehnung in aktive Unterstützung oder Bekämpfung münden. Die psychologische Forschung, so Hübner, zeige, dass Menschen Verluste stärker gewichten als gleichwertige Gewinne: „Verluste schmerzen uns mehr und motivieren entsprechend stark, die negativen Konsequenzen zu vermeiden – dies macht auch verständlich, warum Gegner von erneuerbaren Energieanlagen stärker aktiv werden als Befürworter.“ In der Praxis zeigt sich das darin, dass Anwohner von Windparks in der Regel mehrheitlich positiv dazu eingestellt sind und nur ein kleiner Teil sich klar negativ dazu positioniert – dies übrigens unabhängig vom Wohnabstand zu den Windenergieanlagen.

Vergleicht man aber die Emotionen von Befürwortern und Gegnern der Windenergie, dann fällt auf, dass eine positive Einstellung kaum mit positiven Emotionen wie Neugier, Stolz oder Freude verbunden ist, während eine Ablehnung häufig deutlich mit negativen Emotionen wie Bedrohung, Ärger oder Misstrauen unterfüttert ist. Da Emotionen stark zur Motivation und Verhalten beitragen, erklärt sich hieraus, warum Windkraftgegner so viel häufiger und lauter aktiv werden als die Mehrheit derer, die Windkraft befürworten.

Aber eine kritische Haltung gegenüber einem Windpark-Projekt hat natürlich auch rationale Komponenten. Wer zum Beispiel die Koordination und Effizienz der Energiewende auf Bundesebene kritisch beurteilt, wir auch den befürchteten negativen Veränderungen kaum ähnlich gewichtige Vorteile gegenüberstellen. Die Anlagen werden in einem solchen Fall sowohl emotional als auch rational rigoros abgelehnt.

Foto: Volker Buddensiek

Warum sind Windparks so wenig mit positiven Emotionen verbunden?

Windkraftbefürworter beziehen ihre Motivation stärker kognitiv als emotional. „Eine mögliche Erklärung für diese scheinbar emotionslose Wirkung“, so Hübner, „dürfte sein, dass die positiven Wirkungen der erneuerbaren Energien für den Klima- und Naturschutz kaum direkt wahrnehmbar sind.“ Im Gegensatz dazu sind die als negativ erlebten Wirkungen direkt erfahrbar, sei es die Veränderung des Landschaftsbildes, seien es Totfunde von Vögeln und Fledermäusen, die mit Rotorblättern kollidiert sind. Letzteres sind „handfeste“ Eindrücke, die stärkere Emotionen auslösen als die abstrakte Überlegung, dass der Windpark einen Beitrag zum Klimaschutz und damit auch zum Artenschutz leistet, denn beides ist dem unmittelbaren Erleben nicht zugänglich.

Nicht alle Befürchtungen von Anwohnern können im Rahmen einer Windpark-Planung aufgelöst werden – zumal es auch „Verstärker“ gibt, also Institutionen und Organisationen, die sich darauf spezialisiert haben, Befürchtungen zu schüren und negative Emotionen zu befeuern. Ein Schlüssel scheint mir hier das geschürte Misstrauen gegenüber Vertretern der Windbranche und der Genehmigungsbehörden zu sein. Ein „schönes“ Beispiel dafür ist für mich der Umgang mit dem Thema finanzielle Beteiligung. Ich bin lange genug in der Windbranche, um mich an die anfängliche Argumentation zu erinnern, die da lautete, mit dem Ertrag von Windenergieanlagen füllten sich nur Zahnärzte in Bayern die Taschen, während die Bevölkerung von Ort keinen Nutzen daraus ziehen würde. Heute wird behauptet, jede finanzielle Beteiligung der Gemeinde oder Bürger diene nur dazu, sie „zu kaufen“.

Interessanter Weise führt die Verunsicherung der Anwohner aber nach einer Studie aus dem Jahr 2019 dazu, dass inzwischen keinem der Akteure mehr ein Vertrauenszuschuss entgegengebracht wird. Von Bürgerinitiativen sehen sich Anwohner also in ihren Interessen nicht besser vertreten als durch Gemeindevertreter oder Naturschutzverbände. Eine lokale Verankerung von Personen, die an der Planung oder dem Betrieb eines Windparks beteiligt sind, kann dagegen vertrauensbildend wirken, ist aber in der Regel nicht planbar.

Wichtiger ist das allgemeine Vertrauen in die handelnden Personen. Auch Maßnahmen wie freiwillige Beteiligungsprozesse, die Einbindung von Vertrauenspersonen oder Mediatoren und möglichst transparente Verfahren zur gemeinsamen Entscheidungsfindung können Vertrauen schaffen. Gleichzeitig sollte es hinterfragt werden, wenn Bürgerinitiativen den Anspruch erheben, für alle BürgerInnen zu sprechen.

Damit all dies in eine höhere Akzeptanz vor Ort mündet, werden in der Studie weitere Faktoren genannt: „Wie AnwohnerInnen Solar-, Windenergie- oder Biogasanlagen in ihrer Nachbarschaft bewerten (Akzeptanz), hängt im Wesentlichen von fünf Faktoren ab. Je positiver die Befragten die a) wirtschaftlichen Auswirkungen vor Ort und b) die Energiewende insgesamt einschätzen, desto höher die Akzeptanz. Ähnlich ausschlaggebend sind c) das Vertrauen in die am Planungsprozess beteiligten Personen, sowie d) die Vermeidung oder Minderung negativer Wirkungen auf Natur und Menschen. Auch e) die Meinung anderer (soziale Norm), spielt eine wesentliche Rolle: Je positiver die Befragten die Meinung im Ort einschätzen, desto positiver fällt auch ihre eigene aus.“

Projektierer sollten also nicht in die Falle laufen, sich auf die negativen Emotionen zu konzentrieren, um sie mit Fakten zu widerlegen und wieder zu einer weniger emotional geführten Diskussion zu kommen, sondern verstärkt darüber nachdenken, wie sie vor Ort positive Emotionen wecken und stärken können.

Ein Meinungsbeitrag von dem Journalisten für erneuerbare Energien, Volker Buddensiek

Chinesische Offshore-Turbine mit elf Megawatt für Europa


Nicole Weinhold

31 Prozent mehr Ertrag soll die neue Riesenturbine von MingYang machen als das Vorgängermodell. Der chinesische Hersteller hat die Elf-Megawatt-Anlage mit Hybriddrive für den Offshore-Markt konzipiert. Die Anlage vom Typ MySE11-203 ist für die IEC Windklasse IB entwickelt worden und hat einen Rotordurchmesser von 203 Metern. Die Flügel aus Kohle- und Glasfaser messen 99 Meter und überstreichen eine Fläche von 32.265 Quadratmetern. Nach Angaben des Herstellers soll der Prototyp im kommenden Jahr aufgestellt werden. Bereits 2022 soll die Maschine dann auf dem Markt angeboten werden. Das kompakte, kurze Maschinenhaus soll Lasten reduzieren. Außerdem gibt es einen Schutz vor Korrosion durch Salzwasser im Maschinenhaus - für Offshore-Turbinen eine wahrlich nützliche Sache.

Volle Orderbücher

Ming Yang hat allein im ersten Quartal dieses Jahren Bestellungen in einer Größenordnung von 15,23 Gigawatt angenommen, von denen sich 92 Prozent auf Hybriddrive-Turbinen fokussieren.

Regionales Vertriebszentrum in Hamburg

Gerade hat MingYang ein regionales Vertriebs- und Entwicklungszentrum in Hamburg eröffnet, um den Verkauf seiner jüngsten Offshore-Turbinen in Europa zu erleichtern. Gleichzeitig soll die technische und wirtschaftliche Kooperation mit europäischen Partnern auf diese Weise gefördert werden. Zudem ist Ming Yang auch Mitglied in internationalen Windorganisationen wie GWEC, OREAC und WFO geworden, die den globalen Offshore-Markt voranbringen wollen. Ming Yang landete bei den Ausbauzahlen für Europa 2019 bereits auf Platz 6 der Hersteller.

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So argumentieren die Klimaschutzverhinderer


Katharina Wolf

Inzwischen gibt es nur noch wenige, wenn auch prominente Leugner des Klimawandels. Immer mehr Menschen sind von der Bedrohung überzeugt. In einer aktuellen Studie der R+V Versicherung gaben 41 Prozent der Befragten an, sich vor den dramatische Folgen des Klimawandels für die Menschheit zu fürchten. Ebenso viele Deutsche haben Angst davor, dass Naturkatastrophen zunehmen und Deutschland immer häufiger von Wetterextremen betroffen sein wird. Und auch das Allensbach-Institut hat jüngst ermittelt, dass die Sorge vor dem Klimawandel noch stärker ist als die vor dem Corona-Virus, wie die Welt berichtet.

Trotzdem tut sich zu wenig – nach den Berechnungen des Weltklimarats werden die im Paris-Abkommen verabredeten Temperaturziele mit den bislang beschlossenen Maßnahmen bei weitem verfehlt. Wie heutzutage der Widerstand gegen ambitionierten Klimaschutz rhetorisch funktioniert, beleuchtet eine neue Studie unter Federführung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change), die jetzt in der Fachzeitschrift Global Sustainability veröffentlicht wurden.

Klimawandel wird nur scheinbar anerkannt

„Als mit dem Klimawandel befasste Sozialwissenschaftler haben wir uns die neueren Diskussionen angeschaut und eine Typologie der Verzögerungsargumente erstellt“, berichtet William Lamb, Forscher in der MCC-Arbeitsgruppe Angewandte Nachhaltigkeitsforschung und Leitautor der Studie: „Dabei ging es uns um Argumente, die scheinbar den Klimawandel als Problem anerkennen – aber den Handlungsbedarf herunterspielen.

Das Plädoyer dafür, nicht oder zumindest nicht adäquat auf die Klimakrise zu reagieren, stützt sich der Studie zufolge meist auf eine oder mehrere von insgesamt zwölf Argumentationsmustern, die sich von vier Kernaussagen leiten lassen.

1. „Zunächst einmal muss jemand anderes handeln“ - Verantwortung abschieben

Dass zunächst andere handeln sollen, bevor man selbst tätig wird, ist laut der Analyse eine der vier Kernaussagen. Argumentationsmuster sind hier gerne: „Wenn wir etwas einsparen, bringt das gar nichts, weil die anderen das dann kompensieren“. Oder: „Unser CO2-Ausstoß ist viel geringer als in China/USA/Russland. Dort müsste man ansetzen, nicht bei uns.“

2. „Es geht ohne grundlegende Veränderungen“ - einfache Lösungen vorschieben

Wie war das noch mit der Klimakanzlerin und den ehrgeizigen Zielen? Die Studie des MCC entlarvt auch die Optimisten als Klimaschutzverhinderer, die an Klimaschutz ohne große Veränderung glauben. Typische Aussagen seien hier: „Wir sind weltweit technisch führend in der XX-Technologie und haben uns ehrgeizige Ziele gesteckt.“ Oder: „Mit Zwang und Verboten erreichen wir gar nichts. Freiwilligkeit ist entscheidend für den Erfolg.“ Alles schon mal gehört, oder?

3. Konsequente Klimapolitik ist politisch und sozial nicht vertretbar - negative Folgen beschwören

Auch diese Argumente hat jeder schon mal gehört - gerade auch in der Corona-.Krise: Klimaschutzpolitik können wir uns als Gesellschaft nicht leisten. Entweder verbergen sich die Klimaschutzverhinderer hinter sozialen Argumenten: „Klimaschutz wird teuer. Und dann kann die Arzthelferin/Putzfrau/kleine Angestellte ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen.“ Oder sie fordern die perfekte Lösung: „Wir brauchen Lösungen, die von allen akzeptiert und mitgetragen werden kann. Niemand darf benachteiligt werden.“

4. Umsteuern ist nicht mehr möglich - aufgeben

„Es ist sowieso zu spät, den Klimawandel noch aufzuhalten, wir müssen lernen, mit den Folgen zu leben.“ Wer so argumentiert, hat aufgegeben. Gern wird hier auch das Arguemnt angeführt, Klimaschutz sei deshalb unmöglich durchzusetzen, weil Verzicht und Rücksicht der menschlichen Natur widerspreche. Wie auch immer die Argumente im einzelnen lauten - jedweder Klimaschutzpolitik erscheint so sinnlos.

Es steckt immer ein Körnchen Wahrheit in den Argumenten

„Das Vertrackte ist, dass in allen solchen Einlassungen immer auch ein Körnchen Wahrheit steckt“, sagt MCC-Forscher Lamb. „Aber diese durchaus relevanten Aspekte der Klimadebatte werden oft zu Instrumenten einer Verhinderungsstrategie, die darauf zielt, einschneidende Maßnahmen abzuwenden und materielle Besitzstände auf kurze Sicht zu schützen. Deshalb braucht ambitionierter Klimaschutz eine klare Kommunikation.“ Die Studie liefere dazu einen Beitrag.

Unterfüttert wird die Analyse durch Zitate und Diskussionsbeiträgen aus Politik, Wirtschaft und Medien. „Unsere Übersicht ermöglicht allen Interessierten aus der Wissenschaft, der Klimaschutzbewegung und der Politik, in Diskussionen die Argumentationsmuster zu erkennen und darauf adäquat zu reagieren“, so Lamb.

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18 Tipps für grünen Wasserstoff


Nicole Weinhold

Grüner Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger der Energiewende. Ein untrügliches Zeichen: Mitte Juni gab der größte deutsche Stromkonzern RWE bekannt, an seinem Kraftwerksstandort in Lingen im Emsland per Elektrolyse aus erneuerbaren Energien Wasserstoff produzieren zu wollen, der dann zum Thyssen-Krupp-Stahlwerk nach Duisburg - Partner in dieser neuen Wasserstoff-Verbindung - transportiert wird.

Wasserstoff-Aktien

Nach langem Zögern hat die Bundesregierung gerade ihre „Nationale Wasserstoffstrategie“ verabschiedet, die bis zum Jahr 2030 Erzeugungsanlagen von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung entstehenlassen soll. Schon wittern Anleger die Chance auf steile Gewinne mit Wasserstoff-Aktien. In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich das Anlagevolumen nachhaltiger Investmentfonds in Deutschland von 5,9 auf 63,2 Milliarden Euro. Der Anstieg schlägt mit 971 Prozent zu Buche. Ein Anlage-Trend betrifft dabei den Mobilitäts-Wandel hin zur Nutzung grüner Energien. Besonders hoch fallen die Zugewinne bei den Wasserstoff-Konzernen Nel ASA sowie Powercell Sweden aus.

72 Prozent der Deutschen würden sich laut Block-builders.de für ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb entscheiden, wenn der Preis nicht über dem eines herkömmlichen Verbrenners läge. 34 Prozent der Deutschen würden bei einem identischen Kaufpreis Wasserstoff-Fahrzeugen den Vorzug geben. Bis zum Jahr 2050 erwarten Experten hingegen, dass jedes dritte Fahrzeug mit Wasserstoff-Antrieb ausgestattet ist.

10+8 Empfehlungen zur Wasserstoffstrategie

Auch die Europäische Union ist dabei, sich beim Wasserstoff auf eine gemeinschaftliche Strategie zu verständigen. Der Europäische Wasserstoff-Verband Hydrogen Europe hat dazu gerade zehn Handlungsempfehlungen herausgegeben. Unter anderem geht es darum, gesetzliche Barrieren für Produktion und Transport aufzuheben.

Und der Deutsche Nachhaltigkeitsrat hat in einer Stellungnahme zur Deutschen Wasserstoff-Strategie acht wesentliche Empfehlungen an die Bundesregierung gegeben:

1. Übergangszeiten inhaltlich definieren und „Lock-in“-Effekte vermeiden

2. Den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen

3. Grünen Wasserstoff mittel- bis langfristig marktfähig machen

4. Chancen von Wasserstoff effizient nutzen, industriellen Hochlauf zügig sichern

5. Forschung und Entwicklung von Wasserstofftechnologien fördern

6. Nachhaltigkeitsstandards für die Markteinführung von Wasserstoff zeitnah definieren

7. Investitionsfördernde Maßnahmen umfänglich und zügig umsetzen

8. Strategische Partnerschaften in Europa und international aufbauen und stärken

"Wasserstoff muss in Ergänzung der erneuerbaren Energien zur zentralen zweiten Säule der Energiewende werden und ist für die Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele unumgänglich“, sagte Ratsvorsitzender Werner Schnappauf anlässlich der Veröffentlichung einer Stellungnahme des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zur Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Kanzleramtschef Helge Braun hatte den Rat Anfang des Jahres um Empfehlungen zu drängenden energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Fragen gebeten.

Wasserstoffpakt mit den vorrangig beteiligten und betroffenen Industrien

Der Nachhaltigkeitsrat begrüßt demnach die Nationale Wasserstoffstrategie grundsätzlich, drängt aber darauf, dass diese schneller und ambitionierter umgesetzt werde: „Wir müssen jetzt groß denken und schnell handeln. Der Rat setzt sich entschlossen für eine grüne, global ausgerichtete Wasserstoffwirtschaft mit klar definierten Nachhaltigkeitsstandards ein. Deshalb empfiehlt der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung, um einen zügigen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu schaffen, einen Wasserstoffpakt mit den vorrangig beteiligten und betroffenen Industrien in wechselseitiger Verantwortung und Verpflichtung zu schließen“, so Schnappauf. Wichtig sei, dass eine Dialogkultur gepflegt werde, in der Umwelt-, Verbraucherschutz- und Industrieverbände sowie Verbände der Entwicklungszusammenarbeit eng einbezogen würden. Nach Beratung im Wasserstoffrat solle dann zwischen Politik und beteiligter Industrie kooperativ, abgestimmt und verlässlich ein gemeinsamer Fahrplan vereinbart werden.

„Wasserstoff bietet ein großes Dekarbonisierungspotenzial für die Industrie, den Schwerlast- und den Flugverkehr. Auch in der Energiewirtschaft ist Wasserstoff unter Nutzung vorhandener und dem Ausbau neuer Infrastrukturen zwingend notwendig. In den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten müssen erneuerbare Energien in noch nie dagewesenem Maße ausgebaut werden. Denn nur mit Hilfe der erneuerbaren Energien kann eine grüne Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden. Außerdem wird Energie aus erneuerbaren Quellen mit Wasserstoff endlich speicherfähig“, erklärte Gunda Röstel, Ratsmitglied und Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden GmbH.

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Weltweit über 1.000 neue Kohleblöcke in Bau und Planung


Nicole Weinhold

Zunächst die guten Nachrichten: Die Investitionskosten großer Solarstromanlagen in Deutschland sind laut Fraunhofer ISE innerhalb der letzten 15 Jahre um 75 Prozent gefallen. Weltweit kommt die PV auf durchschnittlich 50 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh), wie die Marktforscher von Bloomberg New Energy Finance jüngst bekannt gaben. Die günstigsten PV-Projekte mit 23 bis 29 US-Dollar/MWh, die in China, Australien, Chile und den Vereinigten Arabischen Emiraten umgesetzt werden, können bereits ohne Einbezug von CO2-Preis und Emissionshandel bestehende fossile Kraftwerke aus dem Markt drängen.

Klammert man China einmal aus, wurden 2019 weltweit mehr fossile Kraftwerkskapazitäten stillgelegt als in Auftrag gegeben. Das geht aus dem Bericht "Boom and Bust" hervorgeht, der in Zusammenarbeit mit Greenpeace International, dem Sierra Club und dem Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) entstanden ist. 27.200 Megawatt an Abschaltungen standen hier Aufträgen in Höhe von 24.500 Megawatt gegenüber.

Weltweit Kohlekraftwerke nur zu 51 Prozent ausgelastet

Die Kraftwerke neigen immer stärker dazu, nicht ausgelastet zu sein. Im Schnitt laufen alle Kohlekraftwerke weltweit nur 51 Prozent der Zeit. Dadurch rechnen sie sich immer weniger, was am deutlichsten in den USA zu sehen ist, wo Kraftwerksbetreiber ihre Anlagen scharenweise abschalten und viel obendrein gleich Insolvenz anmelden. Mit 16.500 Megawatt entfielen fast 50 Prozent der Kraftwerksschließungen auf die USA, während dort die Kohleverstromung um 16 Prozent sank (weltweit waren es drei Prozent). In der EU ist die Kohleverstromung 2019 um 24 Prozent gesunken - der Grund lag hier in höheren CO2-Preisen im Emissionshandel.

Gleichwohl: ein Abschied von der Kohle, wie er für die Klimaschutzziele erforderlich wäre, ist noch nicht in Sicht. Im Januar 2020 waren laut Global Energy Monitor immer noch 661 Kraftwerksblöcke in Planung oder im Genehmigungsprozess und 385 im Bau. Von den 2.045 Gigawatt (GW) an weltweit laufender Kraftwerkskapazität (Januar 2020) entfallen 1.005 GW allein auf China. Und aufgrund der Coronakrise hat China nun besonders viele Genehmigungen für den Bau neuer Kraftwerke erteilt, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Deren Auslastung ist allerdings mittelfristig nicht zu erkennen.

Chinesische Kohlekraftwerkskapazität für den Balkan

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu. China ist nicht erst im Zuge seiner Initiative Neue Seidenstraße hochaktiv beim Werben für den Bau chinesischer Kohlekraftwerkstechnologie rund um den Globus. So ist gerade das erste chinesische Kohlekraftwerk in der nähe von Sarajewo in Bosnien-Herzegowina entstanden. Derzeit errichtet China ein Kohlekraftwerk in der Türkei, nahe der Grenze nach Syrien. Allen chinesischen Projekten gemein ist, dass sie mit hohen Krediten versehen sind. Auch in Bosnien-Herzegowina stellen chinesische Banken Millionen zur Verfügung. Hinzu kommt, dass es dort reichlich Braunkohle gibt. Demnächst könnte auch das Kosovo auf chinesische Kohlekraftwerkstechnik setzen, denn auch dort gibt es die fossilen Ressourcen. Und die Asiaten haben bereits attraktive Angebote unterbreitet. Zwar gelten die neuen Kohlemeiler als besonders sauber, doch der Weg, der hier eingeschlagen wird, ist der falsche. Besser wäre es, wenn die EU diesen Ländern entsprechende Angebote im Bereich der erneuerbaren Energien unterbreiten würde.

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