Die LEADER-Region Westlausitz, die aus 12 Städten und Gemeinden besteht, hatte bereits in ihrem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) aus dem Jahr 2007 die Entwicklung zur „Energieautarken Region Westlausitz“ als eines der Leitprojekte festgelegt. Mit dem Projekt verfolgte die Region das Ziel, rein rechnerisch genauso viel Energie regional zu erzeugen wie übers Jahr von der Region verbraucht wird (vorrangig in den Bereichen Wärme und Strom). Mit der Umsetzung des Leitprojektes sollte der Region zudem ein Image verliehen werden, mit dem sich die Einwohner identifizieren konnten und welches durch diese mit getragen wird.

Im Rahmen dieses Leitprojektes wurden in der Westlausitz zwei sächsische Pilotprojekte umgesetzt. 

Auch in der aktuellen LEADER-Entwicklungsstrategie für die Region spielt der Bereich der intelligenten und nachhaltigen Nutzung von Energie eine wichtige Rolle. So wird das kommunale Energiemanagement in den Städten und Gemeinden auch nach Projektende fortgesetzt.

Auf unserer Energie-Homepage informieren wir über den Prozess und Erfahrungen aus dem Projekt.

Energie-News

Gebäudeenergiegesetz und CO2-Preis wirken besser als Förderung


Der Münchner Ökostromversorger Polarstern nimmt derzeit eine steigende Nachfrage nach Mieterstrom wahr. Das Unternehmen führt das auf aktuelle Neuregelungen zurück. So regelt seit 1. November 2020 das Gebäudeenergiegesetz (GEG) die bisherigen Regelungen der Energieeffizienz und des Energieverbrauchs von Gebäuden neu. Zum Jahreswechsel wird zudem der CO2-Ausstoß einen Preis bekommen. „Das Duo aus dem neuen GEG und der ab 2021 greifenden CO2-Bepreisung hat das Potenzial, endlich die dringend nötige Klimawende im Gebäudesektor einzuleiten“, erklärt Florian Henle, Geschäftsführer von Polarstern. „Dabei kommt der Mieterstromversorgung eine Schlüsselrolle in der Umsetzung zu. Wir erfahren ein zunehmendes Interesse am Einsatz des in Mieterstromprojekten erzeugten Photovoltaikstroms auch in der Wärme und in der Mobilität.“

Klimafreundlicher Gebäudesektor steht im Mittelpunkt

Eine so starke und umfassende Nachfrage zum Einsatz erneuerbarer Energien habe bisher kein Förderprogramm entfalten können, betont Henle. Denn damit wird die Nutzung vor Ort erzeugter Energie durch das GEG sektorenübergreifend attraktiver gemacht, während fossile Brennstoffe durch den CO2-Preis zunehmend unattraktiver werden.

Die neuen Regelungen haben noch weitere Vorteile. Denn im Mittelpunkt stehen nicht einzelnen Technologien, die gefördert werden sollen. Vielmehr gehe es um einen klimafreundlichen Gebäudesektor. Damit offenbare Mieterstrom einen großen Gestaltungsspielraum für ein klimabewusstes Wohnen.

Kosten sparen mit preiswertem Solarstrom

Denn mit dem Einsatz des preiswerten Solarstroms in der Wärmeversorgung – und auch in den Mobilität – sparen die Bewohner von Mehrfamilienhäusern viel Geld, das sie mit den fossilen Brennstoffen in Form von CO2-Abgabe durch den Schornstein jagen. So verteuern sich allein mit dem CO2-Eistiegspreis, der ab 1. Januar 2021 gilt, steigen die Kosten für eine Liter Heizöl um 7,9 Cent. Um den gleichen Wert steigt der Preis für Diesel und Benzin wird um sieben Prozent teurer. Der Preis für Erdgas steigt um 0,6 Cent pro Kilowattstunde.

Effizienzvorgaben erfüllen

Bei der Nutzung von Solarstrom vor Ort, der zum Preis von etwa acht Cent pro Kilowattstunde mit Anlagen von bis zu 100 Kilowatt Leistung zu haben ist, verhindern die Hauseigentümer diese Preissteigerungen für ihre Mieter und Käufer der Wohnungen. „Immobilienbesitzer von Mehrfamilienhäusern werden das in der Vermietung und im Verkauf von Wohnungen spüren. Die steigenden Wohnnebenkosten senken im Zweifel die Attraktivität der Immobilie deutlich“, ist sich Florian Henle sicher. Soll eine Wohnung vor allem auch für Käufer interessant bleiben, müssen die Immobilienbesitzer jetzt entsprechend reagieren. Zudem können sie die Nutzung von Solarstrom auf den Primärenergiebedarf anrechnen. Dadurch ergeben sich für die Immobilienwirtschaft Kostenvorteile bei der Erfüllung der geltenden Energiestandards.

Wollen Sie auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie einfach unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.

Warum die Pandemie der Windindustrie nichts anhaben kann


Tilman Weber

Die Windenergie-Konjunktur erweise sich weltweit als „sehr widerstandsfähig“, gab der Chef der Weltwindenergieorganisation Ben Backwell als Botschaft für die am Dienstag gestartete dreitägige Online-Konferenz aus. Der CEO des Weltwindenergierats GWEC erinnerte in der digitalen Pressekonferenz vor Start des Fachvortrags- und Diskussionsprogramms der Wind Energy Hamburg an die von GWEC schon Anfang November verbesserte Prognose: Zu Beginn der Covid-19-Pandemie im Frühjahr hatte GWEC die eigene Markteinschätzung aus dem ersten Quartal noch deutlich um 20 Prozent nach unten korrigiert. Nun aber falle diese Einschätzung wieder deutlich positiver aus, betonte Backwell. Der negative Einfluss durch die weltweiten Konjunkturkrise infolge der Coronapandemie auf Investitionen und Installationen werde vermutlich nicht einmal ein Drittel so stark sein. Seit Anfang November erwartet GWEC für 2020 nämlich einen Windparkneubau auf einem Niveau, das nur noch sechs Prozent unterhalb die Erwartungen fällt, die GWEC zu Anfang 2020 hatte.

Demnach werden im Gesamtjahr 2020 Neuinstallationen von 71,3 Gigawatt (GW) Windkraft anstelle der Anfang 2020 noch erwarteten 74,1 GW vollbracht sein. Zudem holt die Windbranche gemäß der GWEC-Neuprognose verschobene Projekte 2021 bereits mehr als nach. So werden die Investoren im kommenden Jahr global 78 GW neu an die Netze bringen. Anfang 2020 war bei GWEC noch von 71,4 GW neuer Windparkleistung die Rede. Allerdings erwartet die Organisation für die Folgejahre 2022 und 2023 eine Ausbaudelle mit 66,7 und 62,5 GW und auch für 2024 nur ein leichtes Widerauffrischen des Marktes bei 69,7 GW. Ein Rückgang der Ausbauaktivitäten war zwar schon im früheren Szenario abzusehen. Doch nun fällt die Prognose für 2022 bis 2024 sogar noch ein klein wenig schlechter aus.

GWEC-CEO Backwell erklärte zur Einstimmung auf das virtuelle Branchentreffen dennoch, warum sich die Windenergie-Branche seiner Meinung nach auf tief reichende Grundlagen stützen kann. Dazu zähle die wertvolle Unterstützung durch viele Regierungen, die Netto-Null-Emissionsziele bei den CO2-Emissionen ankündigten – oder starke Reduzierungen des Ausstoßes von für den Klimawandel verantwortlichem Kohlendioxid (CO2). Alleine in Asien eröffne sich hiermit durch Japan, Südkorea, China und weitere Länder „eine wirklich aufregende Periode“.

Kurzfristig wirke dabei der 2021 auslaufende Windstrom-Einspeisetarif in China noch als Beschleuniger des Ausbaus. Die Investoren wollen hier demnach noch möglichst alle weit gediehenen Projekte vor dem Stichtag am Jahresende in Betrieb gehen lassen, bevor der vorteilhafte Einspeisetarif nicht mehr zu erreichen ist. Aber auch in den USA ende die bisherige Einspeiseförderung nach 2021 – mit demselben positiven Vorzieheffekt für Windparkprojekte. Somit werde ein Hochbetrieb gerade in den beiden weltweit größten Windenergiemärkten zu beobachten sein.

Allerdings kritisierte Backwell auch, dass die Politik gerade mit ihren beschlossenen staatlichen Pandemie-Erholungsprogrammen eine sehr kurzfristige Art und Weise der Energiewendeförderung einschlagen könnte. Dabei frage gerade die Windindustrie nicht nach einem Bail-Out, nach einer Rettung durch große schnelle staatliche Investitionen oder Hilfsgeldüberweisungen. Anders als Unternehmen, die ihre Produktion mit fossilen Energiequellen betreiben, begegneten Erneuerbare-Energie-Unternehmen nun einem großen Appetit von Investoren. Die Windkraftwirtschaft brauche daher „Erleichterungen für Investitionen“ statt staatlicher Stimulierung der Konjunktur durch Subventionen.

Unabhängig von zweifelhaften kurzfristigen politischen Vorgaben sieht auch der GWEC-Mann die Windkraft weltweit mit guten Vorzeichen. So setzten Regierungen überall auf die Windenergie, um die von ihnen für 2050 festgelegten Klimaschutzziele ausreichend schnell erreichen zu können. „Die Regierungen werden sich zu einem großen Teil der Windenergie zuwenden“, sagte Backwell, weil sie „in großen Kapazitäten verfügbar“ ist und Windparks „in großen Dimensionen bewährt“ seien. Als Beispiel für diesen Trumpf der Windkraft nannte Backwell China: Hier seien in Peking 400 Unternehmen zu Gesprächen mit der Regierung über den nächsten nationalen Fünf-Jahres-Wirtschaftsplan zusammengekommen. Sie hätten dort dargelegt, was die Windkraft-Industrie beim Umbau der Volkswirtschaft zu einer kohlenstoffneutralen Gesellschaft leisten könne.

Millionen Jobs weltweit würden die Emissionsminderungsziele der internationalen Staatengemeinschaft so durch Windkraftausbau generieren können, sagte Backwell. Es benötige hierfür nur die Klarstellung der Politik, dass die Investitionen hierfür künftig schneller erfolgen könnten.

Die aufregendsten Windenergiemärkte in der näheren Zukunft sowie in den nächsten Jahrzehnten sieht der Weltwindenergie-Chef-Vertreter indes in Asien. Hier gebe ein hoher Energiebedarf infolge wirtschaftlichen Wachstums bei zugleich wachsender Bevölkerung den Takt vor. So werde auch bei der Meereswindkraft ohne Zweifel China zum größten Markt. Auch Indien werde beim Windenergieausbau immer wichtiger, weil der Bedarf zum Ersatz der im Lande noch herrschenden Kohleverstromung groß sei. Andere Länder, die beim Windkraftausbau sowohl an Land, als auch offshore zunehmend wichtig werden, seien Vietnam, Philippinen, Indonesien, Thailand, Taiwan, Japan und Südkorea.

Der Chef des europäischen Windenergieverbandes Wind Europe, Giles Dickson, sieht derweil den sogenannten Green Deal der Kommission der Europäischen Union (EU) als wichtigen Treiber für die kommenden Jahre an. Er verwies auf die Ziele der EU-Kommission für den Windkraftausbau, mit denen die oberste EU-Behörde den Green Deal zur Wirklichkeit werden lassen will. So wolle die EU-Kommission die Kapazität der Windkraft bis 2050 von heute rund 200 Gigawatt installierter Windkraft an Land und auf See auf dann das Sechsfache beziehungsweise auf 1.200 GW anwachsen lassen. Demnach werde der Anteil der Offshore-Windkraft zwar deutlich zunehmen. Doch den größten Zuwachs erwartet Wind Europe bis 2050 bei der Windstrom-Erzeugungskapazität an Land mit bis dann installierten 750 GW, dem Vierfachen der heute bestehenden Onshore-Windkraftkapazität des Kontinents.

Selbst die Internationale Energieagentur IEA rechne für 2050 mit einem Anteil der Windkraft von 50 Prozent an der europäischen Stromversorgung. Der wirtschaftliche Beitrag der Windkraft zum Bruttosozialprodukt in Europa werde gemäß einer jüngst von Wind Europe veröffentlichten Studie schon 2030 gemäß den bisher schon bestehenden und beschlossenen Gesetzen ein Jahresniveau von 37 Milliarden Euro erreicht haben. Und falls die nationalen Regierungen noch ihre Zusagen in den Nationalen Energie- und Klimaschutzplänen erfüllen würden, würde sich der Beitrag auf 50 Milliarden Euro belaufen. Aus heute 250.000 Arbeitsplätzen würden bis 2030 rund 450.000 Arbeitsplätze warden können, betonte Dickson.

Die Regierungen in Europa müssten allerdings drei Aufgaben erledigen, damit die Windkraftkonjunktur hierdurch aufblühe: So müssten sie erstens Regeln und Verfahren für die Genehmigung neuer Windparks vereinfachen, zweitens die Sichtbarkeit der Ausschreibungsfahrpläne für neue Windparks erhöhen und drittens die Elektrifizierung der Energieversorgung auch in den Bereichen Verkehr und Wärmeversorgung erhöhen.

Dabei stünden die Vorzeichen in der EU nun gut, sagte Dickson. Er verwies auf ein EU-Gesetz, das im Juni 2021 wirksam werde. Demnach dürfen Genehmigungsverfahren für neue Windparks vom ersten Antrag bis zur finalen Genehmigung maximal zwei Jahre beanspruchen. Bei Repowering, dem Austausch alter gegen neue leistungsfähigere Windenergieanlagen, darf es demnach zudem nur ein Jahr dauern. Auch das Prinzip des One-Stop-Shops werde kommen: Dass sich Genehmigungen mit dem Kontakt zu nur einer einzigen Behörde bewerkstelligen lassen.

Dickson warb erneut für die Einführung der Differenzkostenvergütung als europaweites Prinzip für Offshore-Windparks. Diese Vergütung sei das beste Design für die Ausschreibungssysteme für Offshore-Windparks derzeit. Die sogenannten Contracts for Difference (CFD) garantierten der Politik die für sie billigsten Verfahren, weil die Länder an steigenden Strompreisen mitverdienten und andererseits die Banken als Geldgeber für Offshore-Windkraft eine für sie sichere Investition beliehen. Offshore-Windparks könnten damit günstige Stromgestehungskosten von nur noch 15 Euro pro Megawattstunde (MWh) beziehungsweise 1,5 Eurocent pro Kilowattstunde erreichen. Auktionen hingegen mit sogenannten Null-Cent-Geboten – die Investoren verlangen keine garantierten Vergütungen oberhalb der Strommarktpreise – trieben die Stromgestehungskosten aufgrund der höheren Kreditpreise bei den Banken auf 92 Euro pro MWh.

Alleine aber der wachsende Stromverbrauch durch die Elektrifizierung der Energieversorgung werde die Windkraft befeuern, betonte Dickson. So habe die Stromerzeugung einen Anteil von 23 Prozent an der heutigen Energieversorgung Europas. 2050 dürfte sie, geht es nach Wind Europe, einen Anteil von 62 Prozent erreichen, deren Erzeugung dann aus Wind-, Solar- und Bioenergieanlagen komme.

Wenn Sie regelmäßig mehr über die wirtschaftlichen Erwartungen der Windnenergiebranche erfahren wollen, abonnieren Sie doch einfach unseren kostenlosen Newsletter. Hier geht's zur Anmeldung.

Eno-152 und -160: Turbinenbauer vervollständigt 5,x-MW-Klasse


Tilman Weber

Sie stellen auf der virtuellen Messe eine neue Anlage mit 5,6 Megawatt und 152 Meter Rotordurchmesser vor. Und Sie kündigen eine größere Variante dieser neuen Maschine an. Es geht ums Mithalten mit dem Branchentrend, Richtig?

Stefan Bockholt: Wir haben diese Maschine mit 152 Meter Rotordurchmesser und 5,6 Megawatt Nennleistung bereits im August auf unserer jährlichen Fachtagung Rostock Wind vorgestellt.

… auf Ihrer jährlichen Tagung für Kunden, Branchenexperten und Fachpublikum …

Stefan Bockholt: Und wir promoten die neue Anlage im Rahmen der Windkraftmesse Wind Energy Hamburg, ja. Neu kündigen wir nun als Variante unserer neuen Anlagenklasse die größere Eno 160 mit 5,4 bis 6 MW an und stellen natürlich das neue Design dieser Anlage auch auf unserer eigenen Unternehmens-Homepage vor. Aber zu Ihrer eigentlichen Frage, ob wir mithalten wollen: Natürlich müssen und wollen wir immer neu mithalten mit dem im Wettbewerb entwickelten Tempo des Windenergie-Anlagenwachstums. Dennoch geht es uns nicht um das bloße Mithalten mit immer schnelleren und immer weiteren Entwicklungssprüngen. So haben wir bekannter Weise die größte derzeit in der Branche serienproduzierte Anlagenklasse mit 140 bis 150 Meter Rotordurchmesser und über 4 MW ausgelassen. Wir versuchen uns darauf zu konzentrieren, was die Kunden unabdingbar brauchen – auf Anlagen, für die wir eine etwas längerfristige Perspektive auf dem Markt sehen. So ist beispielsweise unsere aktuelle Vier-MW-Plattform mit den Anlagentypen Eno 114, Eno 126 und Eno 136 bereits seit 2012 am Markt und wird dies auch sicher noch die nächsten Jahre bleiben.

A und O der aktuell auf den Markt drängenden Turbinengeneration der Leistungsklasse fünf bis sechs MW sind intelligente Sensorik kombiniert mit digitalisierter Steuerung sowie sogenannter Leichtbau. Können Sie schon verraten, wie sie beides technologisch für Eno 152 und Eno 160 umsetzen?

Stefan Bockholt: Grundsätzlich bleiben wir unserer Linie treu, was schon im Design der Außenanmutung deutlich wird. Die neue Maschine wird klar als ENO Turbine erkennbar sein, mit einigen technischen Akzenten wie beispielsweise einer steifigkeitsvermittelnden Sickenstruktur in der Außenhaut. Der Fachterminus bezeichnet eine geriffelte Lammellenstruktur, mit der wir die Stärke der Gondelwände reduzieren und damit Material sparen können. Wir untermauern damit auch optisch unseren Anspruch einer eigenen Technologie, die nicht in erster Linie der Produktion großer Volumina dient.

Darüber hinaus erkannten wir bei der Entwicklung der neuen Anlagenklasse in der unternehmensinternen Forschung und Entwicklung, dass sich die Vier-MW-Plattform auch in die neue Dimension mit deutlich größerem Rotor und deutlich größerer Leistung hochskalieren lässt. Dabei bleiben wir bei unserer bisherigen Vier-Punkt-Lagerung des Triebstrangs, die wir 2012 mit der Eno 114 eingeführt hatten: Es bleibt bei unserer aus zwei Rollenlagern bestehenden Rotorlagerung – mit einem Toroidallager als Loslager und einem Pendelrollenlager als Festlager, an dem wir das Getriebe quasi nur noch aufstecken müssen. Damit muss das Getriebe nur noch Drehmomente übertragen und bleibt frei von Biegelasten aus dem Rotor. Anders ist es ja bei der ebenfalls in der Windturbinentechnologie angewandten Dreipunktlagerung, wobei das Getriebe zugleich eine Lagerstelle der Rotorlagerung darstellt. Unser Konzept ist hier super skalierbar. Diese Art der Vierpunktlagerung beansprucht natürlich mehr Bauraum, passt aber zu dem von uns favorisierten Konzept des aufgelösten Triebstranges mit klassischem Planeten-Stirnrad-Getriebe. Hierbei sorgen insbesondere innovative Getriebekonzepte der Getriebelieferanten für kompakte Abmessungen bei enormer Leistungsdichte. Wir nutzen daher weiterhin das klassische Getriebekonzept gekoppelt mit einem schnelllaufenden, elektrisch erregten Synchrongenerator bei einer Generatordrehzahl von 1.400 bis 1.500 Umdrehungen pro Minute.

Wie können Sie mit Ihren begrenzten Kapazitäten in Forschung und Entwicklung diesen Entwicklungssprung nachvollziehen – und wie wollen Sie als kleines Unternehmen diese Dimensionen in der Produktion bewältigen?

Stefan Bockholt: Wir sind im Wortsinne klein genug dafür, dass wir mit einem schlagkräftigen Ingenieurteam und vergleichsweise schnellen, weil kurzen Entscheidungswegen die Entwicklung der Anlage und den Aufbau der neuen Fertigung vorantreiben können. Unser Werksstandort in Rostock böte auch ausreichend Platz für eine räumliche Erweiterung, falls größere Anlagen-Stückzahlen eine größere Fertigungskapazität erfordern würden. Die Pläne für so einen Ausbau haben wir in der Schublade. Allerdings müsste dafür die Nachfrage noch wachsen. Auch haben wir darüber nachgedacht, dass wir die Vormontage von Triebstrangkomponenten wie beispielsweise der Rotorlagerung an Lieferanten ausgliedern könnten. Wir haben das durchdekliniert für Komponenten, die wir auf dem Seeweg zum Beispiel aus China sowie auch aus anderen asiatischen Ländern beziehen – das könnten etwa Wellenbaugruppen inklusive aufgesetztem Getriebe sein.

Sie konnten bisher Ihre Anlagentypen nur in kleinen Stückzahlen von einigen Dutzend statt wie die Windkraftkonzerne als Hunderte oder Tausende installieren. Warum lohnt sich das dennoch?

Stefan Bockholt: Wir sind beileibe nicht so groß wie die Unternehmen im Wettbewerb, richtig. Dafür haben wir uns mit unserer Technik bisher auch nur auf den zentraleuropäischen Markt konzentriert. Hierdurch reduzieren wir Aufwand und Kosten für uns ebenso im Vergleich zum Wettbewerb, weil wir dafür weniger Overhead-Kosten verursachen, mit einer schlanken unternehmerischen Organisation auskommen. Wir können in dieser reduzierten Größe ein gut funktionierendes Wartungsgeschäft für jede einzelne Anlage aufrechterhalten – wobei wir nicht die günstigsten Anlagenhersteller sind. Aber wir machen das zu unserem Merkmal und werben mit der Botschaft, Klasse statt Masse zu liefern. Bei mittelständischen kleineren Windparkinvestoren als Kunden kommt diese Botschaft bisher an.

Wollen Sie bei den technologischen Trends der Windturbinenentwicklung auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter. Hier geht's zur Anmeldung.

Kemfert: Stromverbrauch verdoppelt sich mit regenerativer Vollversorgung


Nicole Weinhold

Besser als vor zehn Jahren bei der Finanzkrise gelinge es diesmal bei der Corona-Pandemie, dass die Klimakrise nicht beiseite geschoben werde, so DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. Damals habe es etwa mit der Abwrackprämie für Autos mit Verbrennungsmotor einen Lock-in-Effekt gegeben. Der Ausstoß fossiler Energien wurde also langfristig manifestiert. In einer Diskussionsrunde im Internet hat die Reiner Lemoine Stiftung gerade Vertreter der politischen Parteien sowie die DIW-Energieexpertin zur Energiewende 2021 befragt. Kemfert verwies darauf, dass unser CO2-Budget bei gleichbleibendem Treibhausgasausstoß nur noch für acht Jahre reiche. Zudem seien die Klimawandelkosten enorm, die entstehen, wenn nicht gegengesteuert werde. Die Ökonomin betonte, 100 Prozent Erneuerbare seien längst technisch und wirtschaftlich machbar - mit dezentralen, flexiblen Erneuerbaren, Speicher, Wasserstoff und Stromnetz. Dafür müssten aber politisch die Weichen gestellt werden - etwa in dem Sinne, dass für den Ausbau der Windenergie endlich zwei Prozent der Landesfläche zur Verfügung gestellt würden.

Soziale Teilhabe und Erneuerbare Mobilität

„Damit die Energiewende gelingen kann, muss die Politik spätestens 2021 die Weichen ins Erneuerbare-Energie-System stellen und konventionelle Strukturen überwinden“, sagte auch Philipp Blechinger, Leiter des Graduiertenkollegs der Reiner Lemoine Stiftung (RLS). Die Bundestagwahl 2021 biete laut Stiftung eine Chance für den Neustart der Energiepolitik. In einem Impulspapier hat das Energiesystemwende-Kolleg der Reiner Lemoine Stiftung mit einem Expert*innen-Netzwerk die Themenkomplexe Flexibilität, Speichertechnologien, Soziale Teilhabe und Erneuerbare Mobilität näher beleuchtet. Aus den Anforderungen, die sich in diesen Bereichen aus dem Zielmodell des Erneuerbare-Energie-Systems ergeben, wurden elf Weichenstellungen herausgearbeitet, die aus Sicht der Autor*innen im Wahljahr 2021 weit oben auf der politischen Agenda stehen müssen. Hier geht es zum Impulspapier.

Flexibilität, Speicher, das Ende fossiler Energien

Fabian Zuber, Leiter der Plattform Energiesystemwende der RLS, stellte die elf Weichenstellungen vor. Darunter das Mitwirken der Menschen vor Ort, die Flexibilität, Speicher, das Ende fossiler Energien. Er betonte, man müsse die Systeme Strom, Verkehr und Wärme vernetzt denken, nicht getrennt - wie es lange der Fall war. Das bedeute auch, dass es einen stark wachsenden Bedarf an sauberem Strom gebe, um Verkehr und Wärme sauber zu elektrifizieren. Bei der PV liege der tatsächliche Bedarf zwischen fünf und 20 Gigawatt Zubau jährlich und bei der Windkraft in derselben Größenordnung.

Verdopplung des jetzigen Stromverbrauchs

Allerdings hat die Regierung diesen wachsenden Bedarf bisher ignoriert. Im Gegenteil, das Bundeswirtschaftsministerium geht von einem sinkenden Strombedarf aus. Kemfert sagte dazu: "Für eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien wird eine Verdopplung des jetzigen Stromverbrauchs gerechnet werden müssen, wenn „efficiency first“ gilt, d.h. Elektrifizierung überall dort wo es nicht anders möglich ist (Wärmepumpen, Elektromobilität) und Verkehrswende (Verkehrsvermeidung, -optimierung, -verlagerung) umgesetzt wird. Grüner Wasserstoff ist Champagner der Energieträger. Kostbar und teuer. Er sollte nur da eingesetzt werden, wo es nicht anders geht." Die dezentrale Energiewende senke die Kosten. Die Energiesystemkosten inklusive Flexibilität seien viel geringer als bei konventionellen Energien.

FDP: CCS und blauen Wasserstoff

Im Rahmen der Podiumsdiskussion erklärte Nina Scheer (SPD) passend, es dürfe keine Limitierung im Ausbaupfad der Erneuerbaren geben. Die SPD sei klar für einen Ausbau der Erneuerbaren, sie müsse das nur eben mit dem Koalitionspartner zusammen hinbekommen. Andreas Lenz von der Union trug zwar dick auf und nannte die Erneuerbaren den "Megatrend". Aber als es um Ausbaumengen ging, wich er doch lieber auf Nebenschauplätze aus und sprach über Genehmigungshürden. Zudem stellte er klar, man können nicht sämtliche Energie für das 100-Prozent-Erneuerbare-Ziel in Deutschland produzieren. FDP-Mann Martin Neumann sah das auch so und verwies zudem darauf, dass man auch CCS und blauen Wasserstoff brauche.

Verbot von Verbrennungsmotoren

Lorenz Gösta Beutin von der Linken verwies darauf, dass beim Streit um die Aufhebung des PV-Deckels in diesem Jahr die Regierung die Regenerativbranche erpresst habe. Sie hatte verlangt, dafür einen Abstand bei der Windkraft zur Wohnbebauung einzuführen. Er prangerte auch die gänzlich falsche Verkehrspolitik von Bundesverkehrsminister Scheuer an, die ein Weiter-so mit Verbrennern bis 2030 zementiert habe. Er forderte ein Verbotsdatum für die Zulassung von Verbrennungsmotoren festzuschreiben und die Halbierung von Pkw im Straßenverkehr bis 2030. Beutin betonte, im EEG 2021 müsse es eine Förderung für Bürger und Genossenschaften geben, die erneuerbare Energien ausbauen wollen. De-Minimis dürfe als Lösung für Bürger nicht fehlen.

Subvention von Gaskraftwerken

Julia Verlinden von den Grünen ging auf den Kohleausstieg ein und verwies darauf, dass die Regierung nur einen späten Kohleausstieg erreicht habe und mit dem Ausstiegsvertrag obendrein eine Subvention von Gaskraftwerken bewirke.

Wollen Sie neue Erkenntnisse zur Energiesystemwende im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.

Neuer Satellit beobachtet Anstieg der Meeresspiegel


Katharina Wolf

Ein neuer Klimawächter schwebt im All: Seit Ende November dokumentiert der Satellit Sentinel-6 Michael Freilich aus einer Umlaufbahn in rund 1.300 Kilometern Höhe den globalen Anstieg des Meeresspiegels, den Seegang und die Meeresströmungen in den Ozeanen.

„Durch die Mission wollen wir erfahren, wie sich der Meeresspiegel in Zukunft weiterentwickelt“, sagt Dr. Jörn Hoffmann, Programmleiter für das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Anhand der Satellitendaten lässt sich etwa beurteilen, ob politische Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels Wirkung zeigen und wie gut globale Klimamodelle die Entwicklung des Meeresspiegels vorhersagen.“

Derzeit steigt der Meeresspiegel um 3 Millimeter im Jahr

Aktuell steigt der Meeresspiegel weltweit laut DLR durchschnittlich um etwas mehr als drei Millimeter pro Jahr - Tendenz steigend. Etwa die Hälfte dieses Anstiegs wird auf die Effekte schmelzender Eisschilde und Gletscher zurückgeführt, der Rest durch die Wärmeausdehnung der Ozeane bei steigenden Temperaturen.

Außer dem Meeresspiegel hat Sentinel-6 den Seegang und die Meeresströmungen im Blick, um so Rückschlüsse auf den Wärmetransport in den Ozeanen zu erlauben. Warme Strömungen haben direkten Einfluss auf das globale Klima - so ist etwa der warme Golfstrom verantwortlich für das relativ milde Klima in Nordeuropa. Diese Informationen seien eine wichtige Eingangsgröße für Modellberechnungen zur Klimaentwicklung, heißt es vom DLR. Sämtliche Daten von Sentinel-6 werden für die Nutzer kostenfrei zur Verfügung stehen.

Satellit misst den Meeresspiegel auf wenige Zentimeter genau

Sentinel-6 beobachtet die Erde mit Hilfe von sechs wissenschaftlichen Instrumenten an Bord. Das Radar-Altimeter Poseidon-4, das Hauptinstrument des Satelliten, sei in der Lage, den Meeresspiegelanstieg bis auf wenige Zentimeter genau zu messen, so das DLR. Über längere Zeitreihen wird es so möglich, die langfristigen Änderungsraten im Zehntel-Millimeter-Bereich pro Jahr zu ermitteln.

Ein Mikrowellen-Radiometer, AMR-C, ermittelt den atmosphärischen Wasserdampf zwischen Erde und Satellit, um mit Hilfe dieses Wertes die Höhenmessungen von Poseidon-4 zu präzisieren. Weitere Instrumente dienen dazu, die Satellitenbahn genau zu bestimmen, denn die exakte Bahninformation ermöglicht es erst, die genaue Meeresspiegelhöhe zu erfassen. Ein Star-Tracker ermittelt die Position von Sentinel-6. Mit einem Radio-Okkultations-Empfänger werden Temperatur und Feuchtigkeit in den verschiedenen Atmosphärenschichten bestimmt.

Mission dauert bis 2025

Seit fast 30 Jahren messen laut DLR hochpräzise Satelliten-Altimeter die Höhe des Meeresspiegels als wichtigen Indikator des Klimawandels. Sentinel-6 Michael Freilich hat diese Aufgabe von dem im Januar 2016 gestarteten Jason-3-Satelliten übernommen und wird mindestens fünfeinhalb Jahre lang Umweltdaten sammeln. Der baugleiche Copernicus Sentinel-6B-Satellit soll im Jahr 2025 starten und die Messreihe ins nächste Jahrzehnt fortsetzen. Den Beinamen „Michael Freilich“ führt Copernicus Sentinel-6A zu Ehren des in diesem Jahr verstorbenen ehemaligen Direktors für die Erdwissenschaften bei der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, um ihn und seine Verdienste um die Erdbeobachtung und die Satellitenbeobachtung der Meere zu würdigen.

Wollen Sie neue Erkenntnisse zum Klimawandel im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.