Die LEADER-Region Westlausitz, die aus 12 Städten und Gemeinden besteht, hatte bereits in ihrem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) aus dem Jahr 2007 die Entwicklung zur „Energieautarken Region Westlausitz“ als eines der Leitprojekte festgelegt. Mit dem Projekt verfolgte die Region das Ziel, rein rechnerisch genauso viel Energie regional zu erzeugen wie übers Jahr von der Region verbraucht wird (vorrangig in den Bereichen Wärme und Strom). Mit der Umsetzung des Leitprojektes sollte der Region zudem ein Image verliehen werden, mit dem sich die Einwohner identifizieren konnten und welches durch diese mit getragen wird.

Im Rahmen dieses Leitprojektes wurden in der Westlausitz zwei sächsische Pilotprojekte umgesetzt. 

Auch in der aktuellen LEADER-Entwicklungsstrategie für die Region spielt der Bereich der intelligenten und nachhaltigen Nutzung von Energie eine wichtige Rolle. So wird das kommunale Energiemanagement in den Städten und Gemeinden auch nach Projektende fortgesetzt.

Auf unserer Energie-Homepage informieren wir über den Prozess und Erfahrungen aus dem Projekt.

Energie-News

Kommentar: "Orientierungslose Energiepolitik"


Philipp Blechinger und Fabian Zuber

Die Bundesregierung und die Bundesländer haben am 17. Juni 2020 einen Grundsatzbeschluss zur Umsetzung der Energiewende gefasst. Diesem Beschluss sind monatelange Abstimmungsprozesse vorangegangen und er kann als ein wichtiger Meilenstein in der politischen Konsensfindung zur weiteren Gestaltung des Energiesystems gesehen werden. Daher lohnt sich ein vertiefter Blick auf die energiepolitischen Vorhaben und Zielsetzungen. Doch so viel vorweg: Die Erkenntnisse sind ernüchternd. Die deutsche Energiepolitik ist konzept- und orientierungslos. Es wird weiterhin nur an dem alten System herumgedoktert und versucht die Erneuerbaren „zu integrieren“, anstatt mutig ein komplett neues System zu denken und den Pfad dahin zu gestalten.

Perspektive der Vergangenheit

Grundsätzlich stellen die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Bundesländer in ihrem gemeinsamen Papier zu Recht fest, dass „die Energieversorgung in Deutschland sich in einem tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess befindet“. Allerdings verpassen sie es aufzuzeigen, wie das Zielmodell dieser Umstrukturierung aussehen soll und verharren stattdessen in ihrer Denk- und Argumentationsweise in den Grenzen des konventionellen Energiesystems der fossil-nuklearen Zeit. Wie sehr diese politische Haltung aus einer Perspektive der Vergangenheit geprägt ist, zeigt sich an vielen Formulierungen und grundsätzlichen Einschätzungen, die in dem vorgelegten politischen Programm zu Tage treten. Das erneuerbaren Energiesystem bringt jedoch ganz neue Anforderungen mit sich, die es gezielt anzupacken und die damit verbundenen Chancen zu ergreifen gilt. Aber genau für den nötigen Umbau des Energiesystems sucht man stringente Konzepte und Antworten vergeblich. Hier einige Beispiele:

Ohne Ziele kann man nichts erreichen

Der Bundeskanzlerin und ihrer Bundesregierung fehlt der Mut, das Zielszenario des erneuerbaren Energiesystems, wie auch die Zwischenschritte dorthin, klarer zu benennen. So scheut die Politik jegliche Festlegung auf eine klare Vision eines 100% EE-Systems sowie auf einen zukünftigen Strombedarf und verhindert gleichzeitig auf diesem Wege, den Menschen und Unternehmen einen klaren Entwicklungshorizont zu präsentieren. Es ist ein energiepolitisches Armutszeugnis, wenn sich die Politik wiederholt darauf beschränkt, „möglichst frühzeitig Trends in der Entwicklung des Strombedarfs zu identifizieren“, es aber verpasst, schon heute konkret zu werden und die Ausbauziele für erneuerbare Energien zu benennen. Durch dieses Nicht-Handeln wird eine große Chance vertan, eine konsistente Energiepolitik zu gestalten und den Menschen und Unternehmen so Orientierung zu geben.

Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit als vermeintliche Drohungen

Eine weitere Auffälligkeit ist, dass in dem Beschluss gleich an mehreren Stellen fast schon krampfartig die Leitziele der Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit in den Vordergrund gerückt werden. Gleich zehn Mal wird an die Maxime der Versorgungssicherheit erinnert. Sieben Mal ist die Rede davon, dass es der Kosteneffizienz bedarf bzw. dass die Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährdet werden dürfe. Die Umweltverträglichkeit schafft es hingegen auf ganze drei Nennungen. Niemand stellt in Frage, dass diese Prinzipien als Mindeststandards des deutschen Energiesystems gelten müssen – in Vergangenheit ebenso wie in der Zukunft. Gleichwohl gewinnt man den Eindruck, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländervertreterinnen und -vertretern sich wiederholt selbst davor ermahnt, zu große Sprünge zu machen – anstatt aufzuzeigen, wie die Transformationen chancenbetont gelingen kann – auch im Sinne einer hohen Resilienz, Innovationen und einer wettbewerbsfähigen Exportwirtschaft im Bereich der Zukunftstechnologien. Und mehr noch: Das erneuerbare Energiesystem ist kleinteilig und rückt näher an die Menschen heran. Fünf Mal erinnern die Autoren daran, dass es Akzeptanz brauche, lassen jedoch die soziale Dimension der Energiewende fast ganz außen vor.

Reflexhafte Fixierung auf Netze und den neuen Liebling Wasserstoff

Wer den Diskurs der aktuellen Bundesregierung seit der Formulierung des Koalitionsvertrags verfolgt, den verwundert es wenig, dass sich die Fixierung auf den Ausbau der Stromnetze wie ein Leitmotiv durch das Beschlusspapier zieht. Ganze zehn Mal wird in der üblichen, reflexartigen Begleitkommunikation des Konventionellen Energiesystem daran erinnert, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien an das Vorhandensein von Netzen geknüpft ist. Energiespeicher werden – so die Autoren – „neben weiteren Flexibilitätsoptionen zunehmend an Bedeutung gewinnen“, bleiben in diesem Duktus aber erstmal allgemeine Vorhaben und Zukunftsmusik.

Ganz anders steht es da um den neuen Liebling „Wasserstoff“, den manche Energiemarktexpert*innen auch als den „Champagner der Energiewende“ bezeichnen. Ganze 14 Mal taucht der Begriff auf, verbunden mit fast schon feierlichen Ankündigungen und Erfolgsversprechen und vor allem dem Ausdruck eines starken Willens: Konkret ist die Rede von einem „zügigen Markthochlauf“ und „einer starken inländischen Produktion“, „neuen Wertschöpfungspotenzialen“ sowie einer „zügigen Umsetzung“ und einer „wichtigen Rolle“ und von „aufbauen“ und „intensivieren“.

War da was? Soll die erneuerbare Energiewende nicht vor allem aus neuen Solar- und Windkraftwerken gespeist werden? Nun, die Windenergie an Land und die Photovoltaik schaffen es zusammen immerhin halb so oft wie der Wasserstoff ins Beschlusspapier – oftmals verbunden mit problemorientieren Aussagen. Hier muss zudem aufgepasst werden, dass „Wasserstoff-ready“ nicht zum neuen Feigenblatt für fossile Kraftwerke wird. Analog zur CCS-Technologie könnte sonst Wasserstoff als möglicher, sauberer Brennstoff der Zukunft zur Ausrede für den Neubau und Betrieb fossiler Kraftwerke im Jetzt werden.

Strukturelles Korsett des alten Energiesystems erlaubt nur „Anpassungen“

Wie sehr die Politik derzeit im strukturellen Korsett des alten Energiesystems gefangen ist, zeigt sich vor allem in Hinblick auf die Vorhaben der Sektorkopplung und beim Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2030. Aus der vorausgeschickten Ansage, einer nötigen „Umstrukturierung“ wird hier eine ambitionslose „Anpassung“, gleichwohl der Ausbau ganz offensichtlich an systemische Grenzen stößt. So heißt es etwa, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen „sukzessive an die Erfordernisse einer effizienten, nachhaltigen Sektorkopplung anzupassen“ sind. In Wirklichkeit ist allerdings mehr nötig als eine Anpassung der bestehenden Regularien. Vielmehr geht es darum, Sektorkopplung, Speicher und andere Flexibilitätsoptionen als Elemente eines neuen Energiesystems von Grund auf neu zu etablieren und möglich zu machen. Wenn hier wirklich ein Wandel gewünscht wäre, wäre eine positiv besetzte „Wasserstoff-Rhetorik“ eher angebracht, als eine Vertagung von konkreten politischen Maßnahmen in die Zukunft.

Ausbau der erneuerbaren Energien – konzeptlos und rückwärtsgewandt

Mühsam wird es hinsichtlich der Vorhaben beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Mal wieder soll dieser „beschleunigt“ und „verbessert“ werden, und sodann werden von den Autorinnen und Autoren Themen vom Wiedervorlage-Stapel genommen und weitere Prüfverfahren in Aussicht gestellt, meist ohne, dass detaillierte Maßnahmen vorgeschlagen werden. Die Regionalisierung, eine stärkere finanzielle Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Kommunen, Repowering und Mieterstrom, Ausbauziele bis 2030 – all das sind seit vielen Jahren offene Baustellen, die von der Energiepolitik kaum wirksam vorangebracht werden. Es fehlen offenbar Ideen, Mut und Wille. Aber auch die Bereitschaft, strukturelle Konflikte anzuerkennen und dauerhaft zu überwinden. Das Narrativ hier ist ein „kann“ und „nach 2030“ – ohne dass aufgezeigt wird, auf welches Ziel zugesteuert werden soll.

Besonders eklatant wird dieser Punkt deutlich, wo es um die Ermöglichung der Eigenstromproduktion geht. So soll die Förderung selbiger an die Bedingung geknüpft werden, dass dies nicht zu einer „Entsolidarisierung“ bei der Finanzierung der Netzinfrastruktur und Energiewende führen dürfe. Hier werden dezentrale Versorgungsmodelle, die im Zuge steigender Strombedarfe und zur Entfesselung von Sektorkopplung und dem EE-Ausbau für die regionale und lokale Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch alternativlos sind, in Geiselhaft eines antiquierten Entgeltesystems genommen – anstatt sich vorzunehmen, dieses System umzubauen und zukunftsfähig zu machen. Anders formuliert: Solidarisch ist, wer in klimafreundliche Technologien investiert, die Dekarbonisierung von Mobilität und Wärme ermöglicht und sich überdies netzdienlich verhält. Und die Aufgabe der Politik ist es, den Menschen und Unternehmen diese Solidarisierung zu ermöglichen – auch indem sie Entgelte und Umlagen verursachergerecht neu staffelt.

Zeit für einen neuen Aufbruch

Anstelle einer Politik, die in veralteten Denkmustern verharrt und den strukturellen Beharrungskräften Vorfahrt gibt, braucht es energiepolitische Konzepte, die den Anforderungen der neuen Energiewelt gerecht werden und die kraftvoll und überzeugend mit klaren Zielen den Weg in die nahe Zukunft weisen. Die Bundeskanzlerin und ihre Regierung dirigieren die Energiepolitik aber ohne Orientierung und Vision. Sie gibt keine klaren Antworten, wie die Energiesystemwende gelingen kann und die Energiewende so tatsächlich umgesetzt werden soll. Zeit für einen Neuanfang.

Über die Autoren:
Philipp Blechinger ist Bereichsleiter Off-Grid Systems am Reiner Lemoine Institut und Leiter des Graduiertenkollegs der Reiner Lemoine Stiftung. Fabian Zuber koordiniert als Leiter der Plattform EnergieSystemWende die Projekte der Stiftung und die Öffentlichkeitsarbeit. Er ist seit 2005 u. a. als Berater und Unternehmer für die Energiewende aktiv – etwa für ComMetering, First Solar, Deutscher Bundestag, und Bündnis Bürgerenergie. Weitere Beiträge aus der Kolumne EnergieSystemWende der Reiner Lemoine Stiftung finden Sie hier.

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PI Berlin zertifiziert Speicherhersteller


Das PI Berlin hat ein Verfahren entwickelt, um die Produktionsstätten von Lithium-Ionen-Batterien für Solarstromspeicher genau unter die Lupe zu nehmen. Nach Angaben des Instituts ist das das weltweit erste Auditverfahren, um die Hersteller solcher Speicherprodukte zu überprüfen. Die PI Berlin konzentriert sich dabei auf die Batterien, da sie die Grundlage für die Qualität und vor allem die Sicherheit von Speichersystemen sind. Das sei wiederum entscheidend, da die Anzahl der weltweit installierten Batteriespeicher steigt und die Nachfrage drastisch anzieht. Deshalb achten die Kunden auch auf entsprechende Qualität, die ein Prüfung im Produktionsprozess voraussetzt.

Sicherheit steht im Mittelpunkt

Mit dem Prüfverfahren wollen die Ingenieure des PI Berlin Schwachstellen im Fertigungsprozess identifizieren und beheben. Im Mittelpunkt steht die Risikominimierung beim Betrieb von Energiespeichsystemen. „Denn Batterien stellen das größte Sicherheitsrisiko in jedem Energiespeichersystem dar“, erklärt Ian Gregory, Geschäftsführer der PI Berlin Niederlassung in Nordamerika. „Jüngste Fälle von Speichern mit unzureichender Leistung haben dieses Risiko deutlich gemacht. Nur wenn alle Fertigungsschritte korrekt ausgeführt werden, ist die Batterie am Ende sicher und langfristig leistungsfähig. Dafür sind hoch spezialisierte Herstellungsprozesse ebenso wichtig wie umfassende Qualitätskontrollen. Auf dem Weg zur fertigen Batterie gibt es viel Spielraum für Fehler.“

170 Prüfschritte

Deshalb ist ein zentraler Punkt die Kontrolle der chemischen Elektrolyte, die ausreichend vorhanden sein müssen. Zudem wird die Gleichmäßigkeit der Elektrodenbeschichtungen kontrolliert. Die Prüfung geht bis hin zur Lagerung der Rohstoffe. Hier schauen sich die Kontrolleure vom PI Berlin vor allem an, ob diese bei der richtigen Temperatur und Feuchtigkeit gelagert und verarbeitet werden.

Insgesamt werden während des Audits 170 Prozessschritte und Materialien in der Batterieherstellung überprüft. „Die Qualitätsstandards für die Batterieherstellung sind weltweit weder gut entwickelt, noch werden sie herstellerübergreifend einheitlich angewandt“, begründet Shaun Montminy, Technischer Leiter beim PI Berlin, die Notwendigkeit von solchen Überprüfungen. „Über 18 Monate haben wir investiert, um das Verfahren zusammen mit Experten für Batteriechemie und -technik zu entwickeln. Dabei konnten wir auch unsere Erfahrung aus mehr als 300 Fabrikaudits für andere Solarkomponenten einfließen lassen.“

Unabhängige Überprüfung

Das PI Berlin bietet die neue Auditierung allen an, die von den Folgen leistungsschwächerer Batterien betroffen sein können. Das Angebot richtet sich so auch an Investoren und Betreibern von großen Solarkraftwerken. Denn es soll ihnen bei der Entscheidung für einen Batteriehersteller helfen. Denn das Audit hilft ihnen, die Batteriehersteller zu vergleichen. Dadurch können sie die Risiken eines Batteriespeichers besser einschätzen und gemeinsam mit dem Hersteller reduzieren. Dabei wird die Überprüfung nicht auf Initiative des Batterieherstellers gestartet, sondern auf Vorschlag des Kunden. „Batteriehersteller können aber ihren Kunden vorschlagen, sich durch ein unabhängiges Audit abzusichern. Das hilft auch, um Banken und Versicherungen von Sicherheit und Leistungsfähigkeit eines geplanten Projektes zu überzeugen“, berichtet Gregory. Zudem bliebt das Audit auf diese Weise unabhängig.

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Welches Potenzial hat das Brennstoffzellen-Auto?


Was treibt die Mobilität der Zukunft an? Eine Batterie, eine Brennstoffzelle oder Biodiesel? Noch ist weder diese Frage entschieden, noch, ob es überhaupt nur eine Antwort darauf geben wird. Derzeit allerdings konzentriert sich die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf Batterie- oder Brennstoffzellen-Fahrzeuge.

So sieht der VDMA großes Potenzial für die Brennstoffzelle: Ab 2030 werde sie mit einem signifikanten Anteil in Pkw, Nutzfahrzeugen und mobilen Maschinen vertreten sein, teilte der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer mit. Allein 11 Milliarden Euro Umsatz für Brennstoffzellenkomponenten im Pkw seien im Jahr 2040 in Europa möglich. In der Folge könnten rund 68.000 Arbeitsplätze entstehen. Dies sind Kernergebnisse einer neuen VDMA-Studie zum „Antrieb im Wandel – Auswirkungen der Brennstoffzellentechnologie auf den Maschinen- und Anlagenbau und die Zulieferindustrie“.

VDMA: Pkw-Markt wird maßgeblich sein

Ab 2030 wird laut Studie die Elektrifizierung im Pkw-Bereich durch eine steigende Anzahl von Brennstoffzellenfahrzeugen unterstützt. Japan und Südkorea positionierten sich laut VDMA bereits heute als Vorreiter hinsichtlich der Nutzung von Brennstoffzellenfahrzeugen als Teil einer Wasserstoffwirtschaft. Dadurch erreichen Brennstoffzellenfahrzeuge dort bereits im Jahr 2030 einen relevanten Marktanteil in Höhe von bis zu sechs Prozent (Japan). Die drei großen Absatzmärkte China, USA und Europa werden mit geringem Zeitverzug folgen. Insgesamt wird der Absatz von Brennstoffzellenfahrzeugen im Zeitraum von 2030 bis 2040 von einer Million auf über zehn Millionen ansteigen, was einem Marktanteil von 12 Prozent entspricht. Daraus ergibt sich ein jährliches Wachstum von knapp 25 Prozent für diesen Zeitraum.

In den fünf betrachteten Märkten könne ein Umsatzpotenzial für die Brennstoffzellen- und Wasserstofftanksysteme von rund 75 Milliarden Euro jährlich erwartet werden, heißt es in der VDMA-Studie. Minus Kosten für Gewinne, Gemeinkosten, Materialien und Rohstoffe ab, verblieben über 20 Milliarden Euro reine Wertschöpfung, davon 3 Milliarden Euro in Europa. So könnten rund 63.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Zusätzliche rund 5000 weitere Arbeitsplätze im Zulieferbereich des Maschinenbaus in Europa entstehen.

Wichtige Impulse durch Nutzfahrzeuge und mobile Maschinen

„Das Segment der schweren Nutzfahrzeuge wird eine Schlüsselrolle bei der Einführung der Brennstoffzellentechnologie spielen“, betont Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Insbesondere in Europa existiere mit den strengen Emissionsgrenzwerten ein klarer Treiber für Brennstoffzellenantriebe. Aufgrund des hohen Energiedurchsatzes werde zudem der Aufbau der Infrastruktur maßgeblich durch die Nutzfahrzeuge bestimmt. Dies betreffe die Erzeugung des Wasserstoffs genauso wie die Distribution bis zum Aufbau von Wasserstofftankstellen.

Unter den nichtstraßengebundenen Anwendungen haben insbesondere Gabelstapler, Schienen- und Schiffsanwendungen einen relevanten Anteil an Brennstoffzellenantrieben, so die Studie. Aufgrund der begrenzten Gesamtmarktgröße für diese Anwendungen wird jedoch erwartet, dass die Absatzvolumina der Brennstoffzellenvarianten deutlich geringer sind als die des Pkw-Marktes.

Öko-Institut: Wasserstoff nur für Schiffe und Flugzeuge

Kritischer bewertet das Öko-Institut die Nutzung von Wasserstoff für den Straßenverkehr. In der für die Klima-Allianz erstellten Kurzstudie „E-Fuels im Verkehrssektor“ empfehlen die Autoren andere Schwerpunkte zu setzen: „Klimafreundlicher Wasserstoff und seine Folgeprodukte werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht uneingeschränkt und nur zu hohen Kosten verfügbar sein“, heißt es dort. Es solle daher von Anfang an der Anreiz geschaffen werden, die verfügbaren Stoffströme in solchen Anwendungen zu verwenden, die für den langfristigen Klimaschutz sehr wahrscheinlich auf Wasserstoff und wasserstoffbasierte Stoffe zugreifen müssen. „Im Verkehrssektor sind dies der Flug- und Seeverkehr.“

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Fast jede zweite Windkraftanlage verliert Ertrag durch Unwuchten


Nicole Weinhold

"Verdachtsunabhängige Untersuchungen der Firma Berlinwind zeigen bei 1.000 Messungen an 20 Windenergieanlagen-Typen, dass rund 45 Prozent aller Anlagen wesentliche Unwuchten aufweisen." Das erklärte Heiko Voß, Geschäftsführer der Reprojekt GmbH, seinen Zuhörern bei einem Webseminar der Firma Eologix. Voß fand viel Aufmerksamkeit für seinen Bericht über Auswirkungen relativer Pitchwinkelfehlerbei Windkraftanlagen. Bei den von Berlinwind identifizierten Unwuchten handelte es sich zu 15 Prozent um Aerodynamische Unwuchten (AU), 15 Prozent waren Massenunwucht (MU) und 15 Prozent kombinierte Unwuchten. Als mögliche Ursachen für Unwuchten nennt Voß Fehlpitch, Blattoberflächenfehler, ungleichmäßige Profilformen, Exzentrizität des Rotors, Teilungsfehler der Nabe, Flanschfehler, fehlerhafter Konuswinkel der Nabe sowie eine verbogene Hauptwelle.

Fotogrammetrie, Laser, Ballastierung

Gemessen würde bisher vor allem per Fotogrammetrie, so Voß. Aber neuere Rotorblätter seien zu stark gebogen, wodurch es zu Ungenauigkeiten kommen könne. Andere Methoden seien Laser oder auch Ballastierungsmessung. Vorteile hier seien etwa die Klärung der Ursache bei Kombi-Unwuchten durch Analyse des Lateral und Torsionschwingungsanteils. Außerdem sei eine qualitative Bestimmung der Massenunwucht sicher mit Balastierungsvorgaben. Und in Verbindung mit vorheriger Laservermessung gebe es eine niedrige Unsicherheit der Analyse. "Nachteilig sind derweil die höheren Kosten wegen des Zugangs zur Anlage und der Ballastierung", so Voß.

Pitchwinkelfehler

Unwuchten können also ein Hinweis auf Fehlpitch sein. Aber warum sind Pitchwinkelfehler nachteilig für die Windenergieanlage? Nach Untersuchungen von Berlinwind können sie zu Ertragsverlusten von drei bis zehn Prozent führen. Hinzu kommt, dass die Windturbine geschädigt wird. Zu den Schäden durch Lastwechsel an Windenergieanlagen und Triebstrang gehören Hinterkantenrisse an Rotorblätter durch sogenannte „Stallvibrations“. Vorzeitige Blattlager- und Rotorbolzenermüdung kommen hinzu. Voß betonte, oft seien Drehverbindungen lebensdauerkritisch. Weiter kommt es zu Hauptlagerschäden durch changierende Pendelrollenlager, Schädigung der Planetenlager und vorzeitigem Getriebeausfall. Möglich sind aber auch Schäden an Maschinenträger und Azimutbremsen bei Torsionschwingungen, Ermüdung des Turms und Schädigung des Fundamentes insbesondere bei AU-Torsion.

Tausende Euro Verlust jährlich

Welche Kosten entstehen dem Betreiber durch Aerodynamische Unwuchten und Masseunwuchten? Auch hier griff Voß für seinen Vortrag auch Untersuchungen von Berlinwind zurück. Für eine durchschnittliche Zwei-MW-Anlage muss man demnach pro Jahr mit 3.300 Euro Ertragsausfall durch AU rechnen. Das sind etwa sechs Prozent der Betriebskosten. Hinzu kommen 3.500 Euro schadenrelevante Kosten durch AU und weitere 1.900 Euro schadensrelevante Kosten durch MU. Die Kosten für die Verkürzung der Betriebszeit durch vorzeitig ermüdetes Tragwerk sind dabei noch nicht berücksichtigt worden. Ein Jahr vorzeitiger Abbau entspreche einem Rohertrag von ca. 200.000 Euro, so Voß.

Abschließend brach Voß eine Lanze für das Rotorblatt-Monitoring. "Betreiber können mit dem Monitoring von Pitchwinkelfehlern und Unwuchten 13 Prozent der Betriebskosten sparen", erklärte er eindringlich. "Außerdem stützt die Vermeidung von Haverien die Akzeptanz der Windkraft und ist somit unbezahlbar." Das Monitoring sollte nach seiner Meinung Pflicht bei Inbetriebnahme, und vor Ablauf von Vollwartungsverträgen sein."

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Windpark-Betreiber muss Anlagensicherheit gewährleisten


Nicole Weinhold

Die Fördergesellschaft Windenergie und andere Dezentrale Energien (FGW e.V.) hat die Revision 1 der Technischen Richtlinie 7 (TR 7) in der Rubrik Anlagenverantwortung (A1) veröffentlicht. Damit schafft der Fachausschuss Betrieb und Instandhaltung im Bereich Anlagenverantwortung und Arbeitssicherheit im Bereich Erneuerbare Energien wesentliche Grundlagen für eine rechtssichere Organisation von Arbeiten an elektrischen Energieanlagen. Mit der weiteren Ausarbeitung werden viele Beispiele, präzisere Rollen, Informationsflüsse und Handlungsempfehlungen gegeben.

Technische Sicherheit gewährleisten

Die Rubrik 1 bietet eine Handlungs- und Umsetzungshilfe zum Thema Anlagenverantwortung und Arbeitssicherheit im Bereich der erneuerbaren Energien. Sie konkretisiert relevante Rollen für eine rechtssichere Organisation von Arbeiten an elektrischen Energieanlagen. Dazu baut sie auf den Grundlagen der VDE 0105-100 (DIN EN 50110-1) „Betrieb von elektrischen Anlagen“ auf.

Neben wirtschaftlichen Interessen hat der Betreiber die Verpflichtung, seine Erzeugungseinheit so zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist. Der Betreiber trägt die Organisationsverantwortung für den sicheren Betrieb, auch dann, wenn externe Dienstleister an der Anlage arbeiten. Jede elektrische Anlage, an der Arbeiten vollzogen werden, muss unter der Verantwortung eines Anlagenverantwortlichen stehen. Weitere dort arbeitende Personen können sich in den Rollen des Arbeitsverantwortlichen, des Arbeitsteams und des Koordinators finden.

In diesem Kontext beschreibt die TR7 mit ihrer Rubrik A1 den Informationsfluss zwischen Betreiber, Betriebsführer, Netzbetreiber und weiteren Dienstleistern. Sie stellt eine Handlungsempfehlung zur Definition von Aufgaben, sowie deren Zuordnung und Kommunikation dar. Anhand von Beispielen aus der Branchenpraxis werden dem Anwender konkrete Lösungsmöglichkeiten angeboten.

Die Revision 1 veranschaulicht diese Beispiele graphisch. Weitere Änderung der Revision 1 betreffen eine Erweiterung der Begriffe und Definitionen, sowie die umfänglichere Ausgestaltung der Aufgaben der einzelnen Rollen. Die Revision 1 ersetzt die vorherige Revision 0 der A1 und kann hier bestellt werden.

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